Skip to content
1642–1708

Ix. Er hat ein jung Mädgen.

Christian Weise

Beht ihr grossen jungfern fort Und gedencket nicht ein wort Daß ich mich um euch betrübe Dann mein sinn wird offenbahr

Und das mädgen das ich liebe Geht nunmehr ins zwölffte jahr. Jhre zarte freundlichkeit Spielt in keuscher sicherheit

Und bestrahlt die schönen wangen Durch dergleichen überfluß Daß ich über dem verlangen Auch zum kinde werden muß.

Jhre jugend ist noch rein Und bewahrt den glatten schein In der einfalt ihres hertzens Andre lieben in den wind

Welche schon des stillen schmertzens Aus der übung kundig sind. Hofft man auf die rosen nicht Eh die grüne knospe bricht

Ist sie aber aufgebrochen Wird man leicht des handels satt Dann wer weiß wer sie berochen Und zuvor begriffen hat.

Drum ihr jungfern last mich gehn Ist mein liebgen nicht so schön Als ein bild von sechzehn jahren Nun so darff ich auch die list

Mir zum schimpffe nicht erfahren. Daß sie falsch und eckel ist. Mangelt ihr am gliedern was Ach wie bald ersetzt sie das

Ist doch dieß die beste freude Wann die jugend sachte blüht Und man seiner augen-weide Untern händen wachsen sieht.

Nun das ist mein fester schluß Und wofern ich warten muß Will ich lieber jetzt in zeiten Nach der süssen liebe gehn

Als daß ich so gar von weiten Soll mit meiner hoffnung stehn.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Ix. Er hat ein jung Mädgen. · Christian Weise · Poetry Cove