Skip to content
1642–1708

Ix. Dorindgen muß sich einer zauberey beschuldigen lassen.

Christian Weise

Dorindgen darff ichs sagen Und darff ich ohne scheu Dich öffentlich verklagen Mit deiner zauberey?

Ach du verwandelst meinen sinn Daß ch mir selbst nicht ähnlich bin. Sonst ist mein junges hertz Bey allen mädgen kalt

Und gibt der liebes-kertz Gar schlechten auffenthalt Doch du verwandelst meinen sinn Daß ich bey dir verliebet bin.

Verlier ich ja bey andern Manchmal ein gutes wort So bin ich nun von Flandern Und geh bey zeiten fort

Doch du verwandelst meinen sinn Daß ich bey dir beständig bin. Ich habe meine brüder Ohn allen schein geliebt

Sie haben mich auch wieder Mit willen nicht betrübt Doch du verwandelst meinen sinn Daß ich den freunden untreu bin.

Ich bin zur lust gebohren Die hängt mir allzeit an Und gibt mir nicht verlohren So lang ich lispeln kan:

Doch du verwandelst meinen sinn Daß ich bißweiten traurig bin. Ich kan an andern orten Vortreflich lose seyn

Und lasse mich mit worten In manche kurtzweil ein Doch du verwandelst meinen sinn Daß ich gar eingezogen bin.

Sonst gieng ich bald zu bette Wann nun der abend kam Und alles um die wette Mit sich zur ruhe nahm:

Doch du verwandelst meinen sinn Daß ich des abends munter bin. Wie schlimm hast du gehandelt Ich kenne deine list

Ich werde so verwandelt Du bleibest wie du bist: Ach kind verwandle deinen sinn Wie ich bey dir verwandelt bin.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.