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1642–1708

Iv. Auf eine trauer-Hochzeit.

Christian Weise

Ljebste braut! was soll ich sagen Soll ich das verlohrne gut Jhrer jungferschafft beklagen Oder soll ich meinen muth

Mitten in den freuden spielen An dem jungen weibgen kühlen. Nein ich mag sie nicht vexieren Denn es ist mir nicht zuviel

Auch wofern ich klage führen Und die lust verderben will Werd ich doch bey ihren lachen Schwerlich meinen anfang machen.

Hier bey diesen ehren-feste Giebt es sonst gelegenheit Denn die angenehmen gäste Werden alsobald zerstreut

Weil die zincken und die geigen Auf den stillen platze schweigen. Zwar man darff auffs musiciren Nicht so sehr gebunden seyn

Und den muth darumb verlieren; Dann man schertze gleich so fein Als vor vielen tausend jahren Keine geigenmacher waren.

Doch sie wollens hier nicht gläuben Und dieweil ein jederman Will auf seinem sinne bleiben Geht das zehnde spiel nicht an:

Drumb muß eines nach dem andern Vor der zeit nach hause wandern. Sauer sehn und hönisch lachen Können alle leute wohl

Aber wer sich lustig machen Und den spaß erhalten soll Muß sich unverdienter massen Richten und verdammen lassen.

Manche kan sich eckel stellen Und veracht’t die compagnie Denn mit solchen junggesellen Da verlohnt sichs nicht die müh;

Manche weiß an allen enden Schon was anders einzuwenden. Doch wir sind an unserm orte Nicht ein wenig schuld daran

Da sind lauter leere worte Niemand giebt ein spiegel an Und wer lust hat anzufangen Kan nicht audienz erlangen.

Nun diß ist was ich beklage Daß so eine schöne braut Jetzt an ihrem ehren-tage Keine bessre freude schaut

Und daß wir mit unsern sachen Eine trauer-hochzeit machen Doch sie kan auf andre fälle Nach belieben lustig seyn

Denn der neue schlaff-geselle Kömmt herfür und stellt sich ein Dieser wird sie schon ergetzen Und den mangel wohl ersetzen.

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