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1642–1708

Iv. Auf die alten Junggesellen.

Christian Weise

Wem das glücke wiederfähret Daß er in der jungen zeit Auch ein junges mädgen freyt Dem ist doch ein schatz bescheret

Welchen alles gold und geld Lange nicht die wage hält. Er gebraucht sich seiner jugend Und vexiert mit höchster lust

Aus der allerliebsten brust Die verborgne liebes- tugend Und vertauscht zum uberfluß Lieb um liebe kuß um kuß.

Er verjungt sich alle morgen Und wie unsre lebens-frist Niemahls ohne sorgen ist Also schenckt er seine sorgen

Zwischen liebe lust und pein In der liebsten mund hinein. Ach die atlen junggesellen Wissen von der freude nicht

Wann sie gleich ihr angesicht Unterweilen frölich stellen Ach so kömmt es ungefähr Von der blossen hoffnung her.

Sie belecken nur die schalen Mit vergebner angst und müh Denn der kern ist nicht vor sie Und wenn sie mit liebsten praalen

Ist der angemaste glantz Warlich weder halb noch gantz. Auf den abend in dem bette Liegen sie als wie ein bild

Halb erfroren eingehüllt Auf den morgen ist es wette Denn da brennt das bette-stroh Vor der liebe liechter loh.

Wann sie sich am klügsten düncken Wissen sie wohl selber nicht. Was sie in der seite sticht Biß sie einst das leid vertrincken

Da vergessen sie der zeit Und der trüben einsamkeit. Ach wohl dem der sich versorget Welcher hier ein bißgen isst

Dort ein weilgen wieder küst Und an allen ecken borget Ist fürwahr ein armer mann Der offt will und selten kan.

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