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1642–1708

IiI. Eine neue Jungfer-Noth.

Christian Weise

Wje ist das zarte jungfer-fleisch Den mädgen so beschwerlich Dann sind sie fromm und keusch So ist es gleichwohl sehr gefährlich

Dieweil ein falscher wahn Die schönste tugend schimpffen kan. Die leuthe sehen auf den schein Und lassen solche s

Der tugend richter seyn Die weder fromm noch böse machen Und dencken unverwandt Ein mückgen sey ein elefant.

Man lasse doch ein mädgen gehn Und bey den junggesellen Ein viertelstündgen stehn Wie werden sich die leute stellen

Als müste sie allein Die aller ärgfte hure seyn. Ein mädgen kan nicht wie sie will Auch in der kirche beten:

Denn läst sie gar zu viel Die augen aus den falten treten Und sieht den himmel an; So heists sie meynt den courtisan.

Wie manche zeitung wird erdacht; Da hat sich die versprochen Und die wird ausgelacht Dieweil ihr schatz die treu gebrochen

Und wird die sache klar So ist das zehnde wort nicht war. Die tummen junggesellen Die solten sich darbey

Zur ernsten gegenwehre stellen So bleiben sie zur ruh Und helffen noch wohl selbst darzu. Die schwitzet in das bette

Die hat ein böses bein Die trägt nur eine falsche kette Die schminckt ihr angesicht Die folgt der lieben mutter nicht.

Die nimt sechs thaler zum gewinn Der schleppen doch die mäuse Holtz-äpffel sonst wohin Die bleibt bey ihrer alten weise

Die ist ein halbes schwein Die säufft so gerne brantewein. Und die hat einen holen zahn Drum stinckts ihr aus dem loche

Die schielt den liebsten an Und gucket in die andre woche Die ist ohns henckers danck Wohl gar am lieben dinge kranck.

Jm hertzen wohl geplaget Daß wann sie sich besinnt Aus schmertzen und verzweifflung saget Mein leben wird mir schwer

Ach wer ein junggeselle wär.

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