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1642–1708

I. Er tröstet sich wegen seiner Mit-Buhler.

Christian Weise

Mein hertze bist du noch betrübt Dieweil das mädgen das dich liebt Auch andern schöne blicke gibt? Ach bilde dir durchauß nicht ein

Als woltest du bey ihr allein Der hahn allzeit im korbe seyn. Bedenck es besser was du thust Und wann du ja die süsse lust

Mit andern leuten theilen must So habe doch genug daran Daß kein affection-galan Dir deinen spaß verwehren kan.

Du bist der beste bruder nicht Du hast dein geiles angesicht Gar offt zu andern hingericht Darum mein hertz was zürnstu viel

Wann dich das mädgen durch ihr spiel Mit gleicher müntze zahlen wil? Sie nimmt sich warlich noch in acht Wann sie mit andern freundlich lacht

Daß sie es nicht zu lose macht Hergegen du bist so verpicht. Auffs liebe brod und achtest nicht Ob dich einander gleich verspricht.

Kein mensch hat die beliebte krafft Der mehr als theuren jungferschafft Auß ihrer jungen schoß gerafft Du aber frage deinen sinn

Wo hast du längsten den gewinn Der angebrannten keuschheit hin. Und endlich kriegst du loser dieb Gleich manchen guten lungen-hieb

Hat sie dich doch ein bißgen lieb: Denn sie vertreibt die lange zeit Mit völliger zufriedenheit Bey dir und deiner lustigkeit.

Sie ist dir nicht alleine schön Drum laß die andern immer gehn Du kanst den possen doch verstehn. Es kost viel zeit eh es gelingt

Daß dich einander überspringt Und sich in deine stelle dringt. Darumb mein hertze sey getrost Wann mancher kerle sich erboost

Und mit um deine liebe lost Wo sie dir nur gewogen ist So dencke daß du vor der list Deß henckers selber sicher bist.

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