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1642–1708

I. Er ist ein Narr.

Christian Weise

Jhr leute gebt mir doch geschrieben Daß ich ein ertz-fantaste bin Und solte mir es nicht belieben So bringt mich mit gewalt dahin

Daß ich die thorheit zum beschluß Vor aller welt bekennen muß. Ich höre nichts mit meinem ohren- Ich bin mit sehnden augen blind

Der mund hat allen schmack verlohren Die fäuste sind nicht wo sie sind Die nase reucht und hat gleich wohl Den schnuppen wann sie riechen soll-

Das haubt ist wie ein tauben-haus Da fliegen mir die jungen narren Bald fornen ein bald hinten naus; Doch auf den abend ziehn sie hier

Zusammen wieder ins quartier. Wolt ihr kein cläußgen bauen lassen Darein ich mich versperren kan So hetzt die kinder auf der strassen

Mit hund und katzen auf mich an Und legt mir alle nahmen zu Biß ich nicht mehr so närrisch thu. Verbremt mir nur den kopf mit schellen

Und setzt mir einen fuchsschwantz auf Wollt ihr mir einen hut bestellen So flickt mir auch ein kühhorn drauf Und gebt mir an des sebels statt

Ein holtz das keine scheide hat. Besetzt mein kleid mit bunten flecken Und macht mirs band von bohnenstroh Und schreibt mir an auf allen ecken

Diß ist ein narr in folio; Wofern ich bey dem narren-spiel Nicht zum erkäntniß kommen will. Doch nein ich wil nun anders werden

Ich mag kein pickelhäring seyn Ich stelle mich nur an geberden Bißweilen närrisch auf den schein; Drum lieber was verlacht ihr mich?

Ein jeder ist ein narr vor sich.

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