Skip to content
1642–1708

I. Auf einen alten Tantz-Knecht.

Christian Weise

Ach weh! wir armen junggesellen Wir werden gar zu langsam klug Weil wir uns tumm und alber stellen So fährt die zeit den schnellen flug

Eh wir uns eigentlich besinnen Mit aller lustigkeit von hinnen. Der anfang von den jungen jahren Sol auch der liebe wachsthum seyn

Da sol das zarte volck zu paaren Die stillen küsse von sich streun Da sol die junge sehnsucht spielen Und flammen in der seele fühlen

Gleich wie ein schäfgen seiner weyde Begierig nachzugehen pflegt So sucht die jugend ihre freude Da wird nichts übels ausgelegt

Da schnäbeln sich die glatten mäulgen Und pflicken ihre mertzen-veilgen. Doch wann man schon an seinen wangen Den bart mit tausend stacheln fühlt

Und hat es noch nicht angefangen So hat man mehr als halb verspielt Und will man mehr auf kurtzweil harren So wird man mehrentheils zum narren.

Es heist die blumen sind vergangen Die knospe sol zusammen stehn Und wenn man alles kan erlangen So muß man ins gefängnis gehn

Da sich das elend in den decken Der eitlen liebe sol verstecken. Wohl dem der seinen liebs-beruffe Still und gehorsam folgen lernt

Eh ihm der jugend letzte stuffe Von der gelegenheit entfernt Da kriegt man sorgen mit den jahren Und muß die lust dann ewig spahren.

Wann ich mich hin und her besinne So hab ich auch die zeit verseumt Und finde was an meinem kinne Das sich zu keiner liebe reimt

Drum wünsch ich offt in diesem stücke Ach hätt ich noch zehn jahr zurücke.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
I. Auf einen alten Tantz-Knecht. · Christian Weise · Poetry Cove