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1642–1708

Elegie.

Christian Weise

So muß ich liebster freund ihn wieder irre machen Daß ich sein nahmens-fest so zeitlich feyren wil? Ja freylich wenn bey mir die geister schon erwachen So fodern sie die schuld das matte seitenspiel.

Wiewol es ist an dem ich bin nicht so vergessen Es ist ein halbes jahr und noch kaum gantz vorbey Da hab ich eben so bey meiner pflicht gesessen: Und itzo mach ich schon die freude wieder neu

Es ist der liebe schuld die wil vor ängsten sterben Wenn sie ein liebes haupt nicht stets bedienen sol Und kan sie durch den dienst nicht was sie wünscht erwerbe Nun so gefällt ihr doch die müh und arbeit wohl.

Bey freunden kan ich nicht mein courtisiren lassen Sie haben mein gemüth und alles in der hand: Ein ander geh die spur der eitlen liebes-strassen Mein hertz ist doch allein in einen freund entbrant.

Zwar wo ich bitten darff so seh er nicht die worte Den ungeschickten reim die schlechten zeilen an Jtz an der messe liegt nichts an dem rechten orte: Kaum daß ich so viel zeit zum schreiben stehlen kan:

Wenn es zu schmeicheln komt so bin ich sonst verdorben Ich führ in meiner haut den alten teutschen sinn Und wär die redligkeit gleich überall verdorben So bleibt es noch darbey daß ich noch ehrlich bin.

Doch wil er einen schertz von meiner feder fodern Ich weiß nicht ob die lust mich gantz verlassen hat Der grüne myrtenstrauch will allgemach verlodern Und mein betrübter geist ist fast des lachens satt

Er frage nicht warum? er schaue nur die sachen Der jungen erden an wie itzo wald und feld Fisch vögel thier und alls mit freuden hochzeit machen Nur ich bekomme nichts ich arme kleine welt.

Ich soll mich um die frau noch gar zu tode grämen. Denn wo ein guter freund zur hochzeit blasen läßt So muß ich mich fürwar vor meinem barte schämen Der wol so stachlicht ist als manches schwalben-nest.

Der schwartzdorn blüth nunmehr der kützel sticht die leute Das alte winterblut wil zu den adern auß Der kühle rosenthal trägt schon die frühlings-beute Und führet zwey hinein und dreye wieder nauß

Ich habe nichts zu thun ich sehe nur zu zeiten Wie durch den grünen strauch ein buntes röckgen blickt Ein ander läst sich gar in das gerüsche leiten Wo der das grüne graß in seiner ruh zerdrückt.

Ich bleibe nach wie vor ein alter junggeselle Und das versteh ich nicht was doch ein sperling weiß. Ich dichte zwar bey mir auff unterschiedne fälle Wiewohl mein unstern haßt den wol bedachten fleiß.

Mein allerliebster freund in allen meinen trauren Ist dieses noch mein trost daß er in gleicher last Durch müh und einsamkeit kan steiff und tapfer tauren Und daß er keinen sinn auff weiber-liebe fast.

Drum weil die liebe zeit durch honig-süsse räncke In unsrer jungferschafft die blume brechen wil So fuß er neben mir ein corpo und bedencke Die liebe sey ein strick und nicht ein kinderspiel.

Ich wil an meinem ort der mutter zu gefallen Noch gantzer 15 jahr ein alter tantzknecht seyn: Das glücke werffe mich als einen leichten ballen Jedennoch laß ich mich bey keinem mädgen ein.

Kan ich mir so viel zeit von meiner arbeit brechen So wil ich diese woch in seinem losament Von seiner jungferschafft mir noch was mehr versprechen Jtz hat der fremde marck mich andrer pflicht verpfändt:

Inzwischen nehm er itz so viel beliebte freuden So viel als buhler itz auff ihrem wege sind: Wir wollen unverwandt das stille schauspiel meiden Da offt die königin das gantze spiel gewinnt.

Doch weil mein muntres haar nach einer andern krone Ein kurtz verlangen trägt so hab ich längst vermeint Es bleibt zu jener zeit nicht nur bey einem lohne Die Themis ist ja sonst der helden Venus-freund.

Komt zeit so kömt auch rath itz sind wir arme büfgen Und graben angst und pein in unser bettestroh Doch wirckt der schwache gruß in diesem liebes-briefgen So macht der blancke wein uns schon in vorraht froh.

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