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1642–1708

Das Erste Gespräch.

Christian Weise

Allerliebstes Marilißgen Gieb mir was ich wünschen kan Und nim ein gehorsam grüßgen Von demselben diener an

Welcher nichts auf dieser welt Uber deine freundschafft hält. Zwar ich solte wohl bedencken Wer ich bin und wer du bist

Und mein hertz nach einer lencken Welche meines gleichen ist: Doch dein schöner tugend-schein Heist mich ohne sorgen seyn.

Denn wer sich verliebt will machen Muß auf seines gleichen sehn; Doch in blossen freundschaffts sachen Kan es auch also geschehn

Daß ein schlecht und vornehm kind Sich zu gleicher gunst verbindt. Mach es wie die sonnenstrahlen Wenn sie auf der blumen bahn

Lilgen und narcissen mahlen Schaun sie auch ein kleeblat an: Drum laß mich mein sonnenschein Dein geringes kleeblat seyn.

Wilstu mich also erfreuen Gönstu mir die füsse rast Ach so wird dichs nicht gereuen Daß du mich zum diener hast;

Mir beliebt der tugend licht Und die falschheit acht ich nicht. Nun wolan soll ich erkennen Daß ich mich ohn unterlaß

Dürffte deinen diener nennen Seelgen so befiehl mir was Denn ich schwere dir allein Daß ich fromm und treu will seyn.

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