Allerliebstes Marilißgen
Gieb mir was ich wünschen kan
Und nim ein gehorsam grüßgen
Von demselben diener an
Welcher nichts auf dieser welt
Uber deine freundschafft hält.
Zwar ich solte wohl bedencken
Wer ich bin und wer du bist
Und mein hertz nach einer lencken
Welche meines gleichen ist:
Doch dein schöner tugend-schein
Heist mich ohne sorgen seyn.
Denn wer sich verliebt will machen
Muß auf seines gleichen sehn;
Doch in blossen freundschaffts sachen
Kan es auch also geschehn
Daß ein schlecht und vornehm kind
Sich zu gleicher gunst verbindt.
Mach es wie die sonnenstrahlen
Wenn sie auf der blumen bahn
Lilgen und narcissen mahlen
Schaun sie auch ein kleeblat an:
Drum laß mich mein sonnenschein
Dein geringes kleeblat seyn.
Wilstu mich also erfreuen
Gönstu mir die füsse rast
Ach so wird dichs nicht gereuen
Daß du mich zum diener hast;
Mir beliebt der tugend licht
Und die falschheit acht ich nicht.
Nun wolan soll ich erkennen
Daß ich mich ohn unterlaß
Dürffte deinen diener nennen
Seelgen so befiehl mir was
Denn ich schwere dir allein
Daß ich fromm und treu will seyn.