Jhr hertzen die ihr euch der süssen eitelkeit Durch liebe gunst und treu zu widmen willens seyd Fangt wol und glücklich an erfüllet das verlangen Und last euch in das garn der eiteln schönheit fangen:
Ergebet euren sinn an diesen glatten schein Und senckt die seelen selbst in jungfer-seelen ein. Man muß sich der natur auch in den liebes-sachen Als ein gehorsam kind recht unterwürffig machen.
Und wer nicht lieben wil der muß ein kieselstem Ein stieffkind dieser welt ein weicher schneeball seyn. Doch eh ihr euer thun der liebes-lust ergebet Und weil das hertze noch in voller freyheit lebet
So denckt der sache nach wie solche schmeicheley Wenn zeit und stunde kömt wol anzustellen sey. Man muß sich offt ein nest im warmen sommer bauen Das erst im winter dient: und itzo muß man schauen
Was künfftig werden kan. Wer erst den samen sucht Indem er erndten soll der wird mit seiner frucht Vortrefflich kahl bestehn ein schiffmann wil er schiffen So hat er allbereit dieselbe kunst begriffen:
Wer mahlt ein zierlich bild; wer heist ein lautenist? Der bey dem meister nicht zuvor ein schüler ist? Und also wird uns zwar die schöne kunst zu lieben Durch unser eltern blut ursprünglich eingeschrieben?
Doch weder halb noch gantz: die flamme fühlt man wohl: Nicht aber wie man sie mit klugheit führen sol Man muß ein schüler seyn: man muß die edlen gaben Der rechten höfligkeit aus der erfahrung haben.
Drum die ihr lieben wolt komt her und gebt euch an Hier tritt ein meister auff der euch vergnügen kan Versichert euch gewiß ihr werdet solche lehren Und solchen liebes-trost zu euren vortheil hören
Mehr als ihr wünschen mögt. Doch wer das süsse ziel In der verfluchten lust der schande suchen will Der kömt bey mir nicht an. Ich richte mein gemüthe Auff die ergötzligkeit darneben man die blüte
Der jugend nicht verletzt: die vor der erbarn welt Ja vor dem Cato selbst recht überley behält. Zum ersten suche was: zum andern lern es kennen: Zum dritten lasse dich nicht gar zu zeitlich trennen
In dieses schließ ich hier die gantze klugheit ein Und dieses soll der zweck der guten lehren seyn. Wer sucht der findet was. Der safft der reiffen trauben Wächst in der stuben nicht und die gebratnen tauben
Die fliegen nicht ins maul: man muß sich drum bemühn Und die gelegenheit fein offt zu rathe ziehn Die mädgen kommen ja bald hier bald dort zusammen Da muß derselbe nach der seine liebes-flammen
Nicht übel hegen wil: und welcher diß nicht kan Bey diesem giebt sich auch die liebste langsam an. Der fischer schüttelt nicht die krebse von dem baume. Der vogelsteller fangt die lerchen in dem schaume
Des kalten wassers nicht: und der ist gar kein held Der allzeit warten wil biß was vom himmel fällt Es hilfft doch nichts davor: man muß ein bißgen lauffen. Der himmel pflegt die lust um arbeit zu verkauffen.
Das mädgen ist schon da man sehe sich nur um Offt zeigt ein fremder ort ein süsses eigenthum Man darf deßhalben nicht auf sechs und sieben meilen Nach einer frembden zier mit pferd und kutschen eilen:
Man setze nur deu fuß ein wenig vor das hauß Und lese sich ein kind auch in der gassen auß. Wiewohl es läst sich nicht mit diesen sachen spielen: Man kan so eigentlich auf nichts gewisses zielen
Es kömmt zu unverhofft daß ein geringer blick Ein wort ein schöner fleck uns einen leisen strick An das gemüthe legt. ‒ ‒ ‒
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