Ich weiß wol daß ich neider habe
Die mir nach meinem glücke stehn:
Doch alles ist des Höchsten gabe
Daher entspringt mein wolergehn
Drum bleib' ich allzeit unbetrübt
Und nehme was der himmel giebt.
Ich sehe daß ich sicher bleibe
Ob gleich der neid sehr grimmig thut:
Ich fühle nichts an meinem leibe
Das essen schmeckt mir gleich so gut
Jm schlaffe bin ich unverstört
Und habe stets was mir gehört.
Hingegen wolt ich eh nicht leben
Als an der neider stelle seyn
Weil sie nach meiner wohlfarth streben
So fressen sie viel kummer ein
Und kräncken sich mit ihrem sinn
Daß ich so frisch und munter bin.
Ach wär ich nur in noth und schmertzen
In angst gefahr und traurigkeit
So kämen sie mit falschem hertzen
Mein Herr sein zustand ist mir leid
Und der ist nicht ein ehrlich mann
Der ihm nicht dienet wo er kan.
Wolan weil auff die sonnen-blicke
Ein schwartzes schatten-bild entsteht:
Und also auch bey allem glücke
Der blasse neid darneben geht:
So gäb ich einen centner neid
Nicht vor ein loth barmhertzigkeit.
Gott wolle mir barmhertzig seyn
So will ich mitten in dem leiden
Mich über mein gelücke freun.
Gott und die tugend ist mein ziel
So hab ich was ich haben wil.