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1642–1708

Das dritte Gespräch.

Christian Weise

Ich weiß wol daß ich neider habe Die mir nach meinem glücke stehn: Doch alles ist des Höchsten gabe Daher entspringt mein wolergehn

Drum bleib' ich allzeit unbetrübt Und nehme was der himmel giebt. Ich sehe daß ich sicher bleibe Ob gleich der neid sehr grimmig thut:

Ich fühle nichts an meinem leibe Das essen schmeckt mir gleich so gut Jm schlaffe bin ich unverstört Und habe stets was mir gehört.

Hingegen wolt ich eh nicht leben Als an der neider stelle seyn Weil sie nach meiner wohlfarth streben So fressen sie viel kummer ein

Und kräncken sich mit ihrem sinn Daß ich so frisch und munter bin. Ach wär ich nur in noth und schmertzen In angst gefahr und traurigkeit

So kämen sie mit falschem hertzen Mein Herr sein zustand ist mir leid Und der ist nicht ein ehrlich mann Der ihm nicht dienet wo er kan.

Wolan weil auff die sonnen-blicke Ein schwartzes schatten-bild entsteht: Und also auch bey allem glücke Der blasse neid darneben geht:

So gäb ich einen centner neid Nicht vor ein loth barmhertzigkeit. Gott wolle mir barmhertzig seyn So will ich mitten in dem leiden

Mich über mein gelücke freun. Gott und die tugend ist mein ziel So hab ich was ich haben wil.

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