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9. Poeten müssen verliebt seyn

Christian Weise

Sprecht mich nicht weiter an Um ein verliebtes Lied, Denn ich bin außgethan Wo Lust und Liebe blüht,

Das Gras ist abgemeyht, Die Rosen sind vergangen, Der Winter führt das Leid Und hat sich angefangen.

Ich fühle keine Lust Die mich zum Versen treibt, Weil meine kalte Brust Unangefochten bleibt:

Das harte Silber fleust Nur bey der grossen Hitze, Und der Poeten Geist Wird nur im Lieben nütze.

Wie kan ich itzt betrübt Und wieder frölich seyn, In dem mir nichts beliebt Von Anmuth oder Pein.

Soll mein erfrornes Hertz Von Glut und Flammen singen, Und soll der kalte Schertz Die spröde Feder zwingen?

Ach nein die Aloe, Der Zucker und Zibeth, Macht weder wohl noch weh, Wann der Geschmack vergeht.

Man muß die Eitelkeit Der Liebe noch ertragen, Will man von Freud und Leid Gereimte Reimen sagen.

Der ist fürwar nicht klug, Der ohn ein Seitenspiel, Durch einen Selbst-Betrug, Verschwiegen tantzen will:

Und so wird mein Gedicht Ein schlechtes Vrtheil fühlen, Wo die Begierden nicht Die Sarabande spielen.

Geh zarte Poesie, Du bleibst mir unbewust, Geh meine süsse Müh, Itzt meine saure Lust,

Ich schreibe was ich kan, Ihr aber meine Brüder, Sprecht mich nicht weiter an, Umb Schertz- und Liebes-Lieder.

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