Skip to content
1675

5. Der betrogene Liebhaber

Christian Weise

Kommt ihr Leute kommt und schauet Mein betrübt Exempel an, Seht wie einer fallen kan Welcher auff die Liebe bauet,

Vnd sein Leben auff das Spiel Eitler Wollust gründen wil. Wär ich vor so klug gewesen Als ich itzo worden bin,

Hätte mein betrogner Sinn Wol was bessers außerlesen, Aber ach ich armes Kind War an beyden Augen blind!

Die beliebten Purpur-Wangen Nahmen mir das Leben ein, Und erregten durch den Schein Alles Hoffen und Verlangen,

Biß ich alles was ich fand Ihr und ihrer Gunst verband. Was ich dichte, was ich machte, War auff sie allein gericht,

Sie, mein Engel, war mein Liecht, Und wann ich an sie gedachte, Lieff das Blut in einem nu Dem verliebten Hertzen zu.

Wann ich gleich in einem Tag Kaum ein halbes Blickgen sah, Gieng mir doch der Strahl so nah, Daß ich ausser aller Klage,

Gleichsam als zu grossem Danck Manch erfreutes Lust-Lied sang. Aber nun bin ich verdorben, Seit mir die Gelegenheit

Zu der gleichen Freundlichkeit Unverhofft ist abgestorben, Und mein Hertze keine Statt Mehr in ihrem Hertzen hat.

Alle Lust ist mir zuwider, Was ich sehn und hören muß, Bringt mir lauter Uberdruß, Und die allerschönsten Lieder

Von der Liebe kommen mir Abgeschmackt und alber für. Wann ich ja bißweilen schertze, Und mein altes Freuden-Spiel

Wiederum verneuen will, Ach so rufft mein schwaches Hertze Mitten in der süssen Ruh Meinem Schmertzen wieder zu.

Zwar ich sehe schon von weiten Daß die Zeit mich trösten kan, Doch wiewohl ist der daran, Welcher solchen Eitelkeiten

Seine Seele nicht ergiebt, Oder doch gelücklich liebt.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
5. Der betrogene Liebhaber · Christian Weise · Poetry Cove