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1675

11. Hans in allen Gassen

Christian Weise

Zwey Mädgen auff einmal! fürwar das ist zuviel, Doch weil die Liebe mich also bethören will Darff ich nicht widerstehen, Ich seh mein Elend an,

Und laß es immer gehen So gut es gehen kan. Ich weiß nicht welche mir am besten Anlaß gibt: Sie beyde sind polit, sie beyde sind beliebt,

An ihrer schönen Jugend, An ihrer Höfligkeit, An ihrer Liebes-Tugend Ist gar kein Unterscheid.

Was eine lieblich macht, das fehlt der andern nicht. Da ist ein Augen-Glantz, da ist ein Angesicht, Die allerschönsten Finger, Das Wollen-weiche Zwey

Der halb-versteckten Dinger Ist alles einerley. Wann diese gegen mir ein bißgen freundlich thut, So denck ich jene dort die kan es gleich so gut,

Und komm ich zu der andern, So laß ich meinen Sinn Zur ersten wieder wandern, Da ich gewesen bin.

Indessen weiß ich nicht, was ich behalten soll, Dann jener bin ich gut, und die gefällt mir wol, Soll ich das Hertze fassen, Und ein geliebtes Kind

Von diesen beyden lassen, So bin ich taub und blind. Es ist doch nun geschehn, das geht am besten an, Wo ich sie allezwey vor mich behalten kan

Mein Hertz! es kommt ja besser, Indem du als ein Gast Der Eitelkeit, zwey Messer Als keins im Vorrath hast.

Ein solcher Wechsel stutzt, und steht vortrefflich schön, Wann eine sauer siht, kan ich zur andern gehn, Trägt die ein Ungefallen, So komm ich dorten ein,

Und so kan ich bey allen Verliebt und lustig seyn.

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