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1675

10. Das schlaffende Glücke

Christian Weise

Mein Glücke schläfft nun lange Zeit Und will noch nicht erwachen, Und meine Furchtsamkeit Kan sich gar wenig Hoffnung machen:

Denn wenn es helffen soll, So schnarcht es mir die Ohren voll. Der gantze Leib ist außgestreckt, Der Mund ist zugeschlossen,

Die Augen sind versteckt, Die Krafft der Sinnen ist zerflossen; Nur in der blossen Brust Treibt noch der Athem seine Lust.

Ich stoß, und brauche was ich kan Die Kräffte meines Lebens, Ich schrey die Ohren an, Doch Müh und Arbeit ist vergebens:

Denn mein Verhängniß spricht, Dein Glücke schläfft und hört dich nicht. Wolan mein Glücke schlaff nur fort, Ich werde zwar indessen

Noch manchen lieben Ort Vnd manche Lustigkeit vergessen, Ich werde noch der Pein Der Ungewißheit dienstbar seyn.

Doch wer zu lange schlaffen muß Der kan auch lange wachen, Vnd kan den Vberfluß Der späthen Nacht zum Tage machen,

Wenn er die Lager-Statt Nun lang genug gedrücket hat. Darum mein Glücke schlaff nur auß, Vnd bringe mir den Segen

Hernachmals in das Haus, Itzt will ich dich nicht mehr bewegen, Die Noth kan nicht bestehn, Sie muß doch auch zu Bette gehn.

Wo sie mich in der Jugend läst Bey der Gewonheit bleiben, So werd ich wol den Rest Des Alters mehr beglückt vertreiben,

Inzwischen wird die Schuld Des Glückes leichter durch Gedult.

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