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1846

Schlußlied

Georg Weerth

Heller ward es im Osten. Da machte sich auf der Morgenwind, Vom Schlummer zu wecken Des Frühlings lieblichste Kinder:

Maililien und wilde Zartrosa Rosen. Sacht durchzog er das junge Gras und das grüne

Sprossende Korn, daß die Ähren Leis zu nicken begannen und weithin Wogten hinab Zu der Felder Umzäunung.

Munter fuhr er einher An der Seite des Hügels, Jagte den Duft empor Von den Apfelblüten und tanzte

Über die Gärten hinweg In den Forst dann, Spielend hier mit der weißlichen Birke Gezweig, mit dem Wipfel

Der Tanne dort und des Buchbaums Prächtiger Krone; Säuseln und Rauschen begann Im Tal, auf den Höhen.

Demanten glänzte der Tau Im wachsenden Licht; Aus Blättern und Kelchen Rollt er, und Leben entsteht

Und Bewegung jetzt, überall, überall! Träumrisch erhebt ihr Köpfchen Die Taube; es springt Von Ast zu Ast die schwarzweiße

Elster; die Falken erwachen Im Dickicht, und horchend Reckt der Hirsch sich empor An dem sprudelnden Waldbach.

Vorbei die Stille der Nacht! Es erwachen Die Lieder in jeder Brust, So Natur zum Gesange gestimmt hat.

Ein Ruf jetzt – ein Schrei des Entzückens! Und hell zu der Wälder Gerausch Erschallt in melodischem Chor Das Festlied aller Lebend'gen!

Triumph! daß du kamst, O strahlende Sonne; ein neuer Tag geht auf den Völkern der Erde. Mag alles froh dich begrüßen,

Mag alles liebend dir nachschaun, Wenn wundervoll Nach vollbrachtem Lauf Du leuchtend wieder hinabsinkst.

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Schlußlied · Georg Weerth · Poetry Cove