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1891

Meningitis tuberculosa

Frank Wedekind

Die Augen irren kreuz und quer, Die Hände krabbeln hin und her, Der dünne Atem zieht so schwer, Nun schlägt auch bald das Herz nicht mehr.

Längst hat im Köpfchen tiefe Nacht All Gram und Schmerz zur Ruh gebracht Die schlaffe Lippe singt und lacht Wie Abendwind ob Grabesschacht.

Die Hand in meiner brennt so heiß, So aderblau, so kreideweiß; In ihrem Innern perlt der Schweiß Gleich Morgentau auf Blütenreis.

Das Auge glänzt, der Atem pfeift, Die Schwester nach dem Doktor schweift, Der Vater mit der Mutter keift, Die Mutter in die Wolken greift.

Drei Klageweiber treten ein Sie fangen gräßlich an zu schrein: O Gott, o Gott, o Mägdelein, Der Himmel muß barmherzig sein!

Gebrochen unter Ach und Weh, Sie sinken auf das Kanapee; Die Mutter kommt mit dem Kaffee, Sie blicken schluchzend in die Höh.

Ein leiser heller Klageton – Die Weiber hören nichts davon, Sie plappern über Mägdelohn – Das junge Leben ist entflohn.

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Meningitis tuberculosa · Frank Wedekind · Poetry Cove