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1618

Traum

Georg Rodolf Weckherlin

Ich sah in meinem schlaf ein bild gleich einem got, auf einem reichen thron ganz prächtiglich erhaben, in dessen dienst und schutz zugleich aus lust und not sich die torechte leut stets haufenweis begaben.

Ich sah, wie dises bild dem wahren got zu spot empfieng, zwar niemal sat, gelübd, lob, opfergaben und gab auch wem es wolt das leben und den tod und pflag sich mit rach, straf und bosheit zu erlaben.

Und ob der himmel schon oftmal, des bilds undank zu strafen, seine stern versamlete mit wunder, so war doch des bilds stim noch lauter dan der dunder; Bis endlich, als sein stolz war in dem höchsten schwank,

da schlug ein schneller blitz das schöne bild herunder, verkehrend seinen pracht in kot, würm und gestank.

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Traum · Georg Rodolf Weckherlin · Poetry Cove