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1584–1653

Ode.

Georg Rodolf Weckherlin

Wer ist doch jmmer so geschossen Daß ab dem lieben rebensafft (der vnsers hertzens trost vnd krafft) Er vnwürsch sein solt vnd verdrossen?

Dan was kan doch ohn drincken wehren? Vnd ist nicht vnder dem gedranck Der Wein das best mit lob vnd danck Vor allem was nassz hoch zu ehren?

Besehet doch (freind) wan es regnet Wie durch den starcken regenguß Bißweilen auch durch einen fluß Das erdreich sich vollsauffend segnet?

Die Kräuter vnd gewächß der erden Ja alle bäume klein vnd groß Verschmachten trostloß vnd fruchtloß Wan sie nicht oft bezechet werden.

Den durst die thier vnd vögel stillen Nach lust mit wollust: vnd die Fisch Die suchen stehts was nassz vnd frisch Damit (begihrig) sie sich fillen.

Das Meer will auch den rausch nicht fliehen Sondern es pfleget ohn ablaß Brait tieffe flüssz vnd bäch ohn maß Garaussend in den wanst zu ziehen.

Ist es dan durch den drunck getroffen So fahet es ein wesen an Als ob es auch wolt jederman Ersäuffen weil es selbs besoffen.

Vnd warumb fallen offt zuhauffen Die tobend-krausend-lautte wind? Weil sie zu bausen sehr geschwind Das Meer gern wolten gar außsauffen.

In dem Meer vnd in allen Bronnen Die Sonn selbs löschet jhren durst; Vnd der Mohn wer schon ein Bratwurst Wan Er nicht voll würd von der Sonnen.

Drumb soll Vns fürhin niemand wöhren (wan nichts will vnbesoffen sein) Auch miteinander bey dem Wein Frolockend tag vnd nacht zu zören.

Dan wer vnwürsch ist vnd verdrossen Ab disem guten Rebensafft Der vnsers hertzens trost vnd krafft Der ist zwar nüchtern doch geschossen.

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