Kom Myrta der Lieb wohn vnd wohnung Der Schönheit pracht der Tugent Cron Vnlangst meiner trew werther wohn Jetz meiner wehrten trew belohnung:
Kom Myrta dises frülings ruhm Vnd aller blumen schönste blum Dich zu mir auff das grün zusötzen; Daß du dich in der blumen zier
Daß Ich der blumen zier in dir Besehend wir Vns beed ergötzen. Weil Amor nu allein zu gegen Der stehts durch deine augen Mich
Der stehts durch meine augen Dich Kan allein halten vnd bewögen: So will Ich ja so kan ich nicht Wendend mein fliehen dein gesicht;
Sondern der blümelein zu ehren Die als stern dises Element Machen ein blumen-firmament Begehr ich dein gesang zu hören.
Solt ich zu singen mich bemühen Von andern dan den blümelein Die vnder deiner augen schein In dir frisch vnverwelcklich blühen?
Die gilg vnd rosen die gewiß Ein wahres blumen paradiß Auff deinem leib vns mahlen zwingen Mich auch der Natur gunst vnd kunst
In dir betrachtend nichts mehr sunst Dan dich der blumen ruhm zu singen. Vnnöhtig Lieb ist dein liebkosen Weil wir nu vnder einem joch;
Wan ich dir dan lieb so sing doch Jetzund von diesen süssen Rosen: Sing von den Rosen edler schatz Vnd ich will dich mit einem schmatz
(vnd nicht zuvor) reichlich belohnen: Vnd wie lieb du mir auch solt du (enthaltend deine hand in ruh) Jhn vor zu haben mir verschonen.
O Rosen die kein frost kan tödten Durch welche ich widrumb gesund; O Rosen die den schönsten mund Vnd wangen liebfärblich beröhten;
Euch Rosenmund vnd allein Euch Gebühret in der Schönheit Reich Auff der Lieb thron befelch zugeben: Mir aber Euch die jhr gleichloß
Vnd aller Rosen schönste Roß Dienstlich gehorsamend zu leben. Wie in dem Himmel so auff erden Kan nichts (dan deine herrlichkeit)
An schönheit vnd an süssigkeit Der Rosen gleich gefunden werden: Daher dan wan die Frülings zeit Die welt zu der Lieb streit vnd beut
Behertzet vnd das erdreich zieret Erhebet sich die Roß mit wohn Allda weil Sie der blumen Cron Sie vnder allen triumfieret.
Die Morgenröhtin new-geboren Der Sonnen kind von thränen nassz Doch schmollend bald durch lieb vnd hassz Von jhr verfolget vnd verloren
Wan sie sich will mit höchstem pracht Vnd in der newest schönsten tracht Beklaiden muß sie alle morgen Sich zu beschönen zwar ohn scham
Auß dem lieblichen Rosen-kram All jhre anstreich-färblein borgen. Dan früh alßbald wir nur erwachen Vnd für dem jungen Sonnenglantz
Die stern vns jhren schein vnd dantz Verbergen vnd vnsichtbar machen: Mit lieblichen pomp vnd geruch Gleichsam des Blumen-tags anbruch
Die Roß den Lufft vnd vns ergötzet Vnd vns des himmels frische ehr Als ob sie himmelisch selbs wer Mit wunder für die augen sötzet.
Der rohte morgen muß verblaichen (verliebet) ab der Rosen Zier Vnd küssend lasset er auff jhr Der süssen küssen feuchte Zaichen:
Verbuhlet auch der Lufft vnd Wind Durch lieb Mit jhr offt jhre küssz vermischen Vnd (frech) sich selbs vnd andre auch
Mit jhrem gleichsam süssen rauch Zu mahl erfrewen vnd erfrischen. Alßbald entknöpfend Sie auffstehet Auß jhrem läger grün vnd new
Alßbald Sie jmmer frisch vnd frey Als eine kleine Sonn auffgehet: Da sihet man sie bald von zorn (beschützet zwar von manchem dorn
So jhre quardy wol zu nennen) Warnemend daß jhr wie dem gold Schier jederman gefährlich hold Schamroht vnd züchtig gleichsam brennen.
In jhrem vrsprung war vorzeitten Die Roß so weissz daß mit jhr kaum Des schnellen wassers frischer schaum Noch auch des Morgens frost könt streitten;
Noch könt des silbers purer schein Der Milchrohn noch das helfenbein Bey jhrer weissin wol bestehen: Ja weisser war die süsse Roß
Dan auff der kalten erden schoß Der new-gefalne schnee zu sehen. Als aber Venus hie auff erden Durch jhrer schönheit gegenwart
Mit jhren brüstlein zart vnd hart Mit hertz-entzündenden geberden Mit seel-ergründend süsser gunst Mit gaist-verblindend gailer kunst
Mit küssen Nectar-gleich befeuchtet Mit jhrer augen liebem glantz Mit frölich-müdend-jungem dantz Das volck bereichet vnd erleuchtet:
Da sah man sich die menschen naigen Vnd (lieb zu sein) auff alle weiß Sich freindlich höflich sitsam weyß Auch wacker statlich kühn erzaigen:
Bald sah man dise fro auß lieb Vnd durch lieb jene kranck vnd trüeb; Die eine sah man jhre schmertzen Beklagend ohn trost hofnung hail:
Vnd andre frisch kurtzweilig gail Sich hertzend mit einander schertzen.
Cookies on Poetry Cove