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1618

Der lieb unzähliche zahl

Georg Rodolf Weckherlin

Nachdem die Nymf aus Albion, der fromkeit und der tugend kron, hat ihrer diener wert erwegen; zog sie ihren landshirten vor

den fremdling, welcher Filodor genant ist, seiner tugend wegen. Fieng demnach an (für seine pein und pure treu dankbar zu sein)

mit gleicher lieb ihm zu begegnen, daß er bald seines leidens stand auch Amors tyrannei und brand und stralen nu anfieng zu segnen.

Also ihr beeder schmerz und scherz wurd gleich, gleich wurd ihr will und herz, gleichwol verdrüßlich den landsleuten: geliebet lieben sie so sehr,

daß all ihr sorg ist, welches mehr das ander lieben kan, zu streiten. Einmal nu an des meers gestad sprach er zu ihr: „O deren gnad

und lieb mich ewiglich verbinden! für dich hab ich mehr qual und müh, dan man kan körnlein sands alhie und tropfen in dem meere finden.“

Myrta gab ihm hierauf antwort: „o meiner seelen süßer hort, ich trag zu dir in meinem herzen mehr lieb dan augenblick im jahr;

mehr, dan stern hat der himmel klar, leid ich für dich liebreiche schmerzen.“ Alsdan der hirt mit großem lust zog dise wort aus seiner brust:

„Laß so vil süßigkeit uns fühlen, mit wie vil blumen sich das feld, mit wie vil laub sich auch die wäld bereichen, so vil laß uns spielen.“

Darauf mit schmollend süßem mund sprach sie zu ihm von herzensgrund: „So laß einmütiglich uns lieben, und laß uns nu für tausend pein,

daß gleich dem leid die freud mög sein, mit tausend küssen auch enttrüben.“

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