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1817

Ora pro nobis

Wilhelm Waiblinger

Heil'ge Dämm'rung waltet durch der Rotunda Tausendjähr'ge Wölbung, der Geist des Abends Mahnt zum Beten, mahnet zur letzten Andacht, Ora pro nobis.

Auf den Knieen umher in des Tempels hoher Rundung liegt das gläubige Volk, und Alles Tönt einstimmig, Jungfrau, dein Lob und flehet: Ora pro nobis.

Und die Schatten decken auch mich; der Vielen Sieht mich keiner, wunderbar drängt's von Innen, Widerständ' ich? – Zaubrische Macht, ich kniee, Ora pro nobis.

Immer wiederkehrt der Gesang, der Vorwelt Schauer kehren wieder mit ihm – o Menschheit, Sieh' mich nicht, ich bin – ich bin dein und flehe: Ora pro nobis.

Doch was fühl' ich! Holde Erinn'rung, bist du's, Die mich tief anwandelt, o bitter bist du, Bitter – denn sie kniete mir einst zur Seite – Ora pro nobis.

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