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1817

Niobe

Wilhelm Waiblinger

O so lang' eine Mutter noch heilig ist, und nur Eine Mutterbrust noch fürs Kind ihrer Umarmungen glüht; Eine Seele noch leidet, und Eine den Schmerz noch der Liebe Den unsäglichen fühlt, Eine für andre noch seufzt,

Eine mit menschlicher Kraft noch gefüllt ist, Eine mit Treue, Eine das klopfende Herz liebend dem Tode noch weiht, Bleibst du das heiligste rührendste Bild; denn es schuf dich die Liebe, Sanft wie ein Muttergemüth, stark wie Olympische sind.

Reiche dem Tod nur den Busen, empfange den Pfeil nur und drücke Sterbend dein furchtsames Kind schirmend und zärtlich an dich. Dein erbarmen die Götter sich schon, ja die himmlische Schönheit Zaubert ihr süßestes Licht schon auf die Stirne dir hin.

Kaum noch gewahr' ich den menschlichen Schmerz, dein erhabenes Antlitz Ist mir verklärt, und du sinkst eben dem Himmel in Arm.

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Niobe · Wilhelm Waiblinger · Poetry Cove