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1817

Drittes LiedFußnoten

Wilhelm Waiblinger

Kehrt' ich müde von Fels und Berg nach Hause, Schlüge freilich kein liebend Herz dem Wand'rer Ungeduldig entgegen; von der Treppe Meines friedlichen Hauses streckte freilich

Mir die Arme kein treues Weib zu, freudig An die züchtige, keusche Brust mich drückend, Wo ein blühender Säugling hellen Auges Uns anblickte, wie wenn er schon der Mutter

Schalkhaft lachte, daß sie den Vater küsset. Schweige stille, mein Herz, laß ab, mit Bildern Dich zu martern, die nur dich dran erinnern, Was du bitter auf immer hast verloren.

Doch nicht gänzlich ohn' alle Lieb', ohn' allen Menschlich freundlichen Blick verflössen mir die Stillen Tage. Des Hauses muntre Kinder Wären gerne bei mir: denn gut und menschlich,

Kindern freundlich, ist in des Lebens Stürmen Stets mein Herz doch geblieben, wie's die falschen, Bösen Zungen der Menschen auch verleumdet. Alle liebten sie mich; ich schenkte diesem

Spielwerk, jenem erzählt' ich ein Geschichtchen, Ja ich scherzte mit ihnen, heute führt' ich In Kastanienhaine sie und morgen Zu den Höhen voll Feigen und Oliven.

Kehrt' ich Abends zurück, so spränge jubelnd Rafaello mir zu, der wilde Knabe, Sich mit Jauchzen um meine Füße klammernd, Oder riefe Demetria mich zum Schutze

Vor des Brüderchens Ungestüm; das eine Brächte Feigen auf grünem Weinlaub, jenes Frischen stärkenden Wein aus der Campagna, Und Melonen voll süßen Markes, einen

Blumenkorb, den sofort die ältre Schwester, Scheuer gegen den Mann, und dem Geheimniß Des Geschlechtes schon nah, ihm still entwindet, Und mit feinerem Sinn der Blumen schönste

Wählend, weiblich verschämt, mir durch des rohen Bruders Hand zum Geschenk ein Sträußchen sendet. Treulich sorgte die hohe schöne Mutter – Frisch und jugendlich noch, wenn auch der Sohn ihr

Auf den Gipfeln der Serpentara muthig Jagend streift, noch ein Kind am Busen nährend, – Für den einsamen Gast, damit kein Ding ihm Zu des Lebens Bequemlichkeit entgehe;

Rüstig käme der Vater auch und scherzte, Lacht' und nennte mich einen finstern Träumer, Einen Sonderling, den die Nacht des Waldes Mehr erfreu' als der Menschen lustig Treiben,

Dem die Stirne zu frühe sich gefaltet, Der mit Grillen sich plagt', und mahnt', die Schwermuth Mit begeisterndem Weine zu verscheuchen. Dann ergriff' er der raschen Kinder eines,

Schwäng' es lachend empor, und setzt es nieder, Und entlief', ein Geschäft im Hause, flüchtig, In der Vigne, im Garten zu besorgen. Doch am liebsten das greise Haupt des Alten

Säh' ich an, wenn im Kreis der muntern Enkel Seine Seele sich freut, wenn er des Knaben Unart wehrt, und dem Arm der hohen Mutter Oft den Säugling entnimmt, damit sein Händchen

In den silbernen Locken spiel'; und Abends, Wenn der Geistliche kommt, der alte, ernste, Spricht man traulich von Krieg und Menschenelend, Wann die Kinder entschlummert, und erzählet,

Von der Herrlichkeit Roms, und von den Fremden, Die bis hieher gepilgert, und der Schönheit Dieser Zaubernatur und von den Räubern, Die den Wanderer drohn, und ihrer Mordlust,

Vom Ertrage der Ernt' und der Oliven, Und vom Herbste der Feigen und des Weines. Manches mischt auch der alte Pred'ger über's Alterthum ins Gespräch, und redet kundig

Von den Spuren der Römer, und den Resten Längst vergangener Zeit; ich aber schild're Tausend Dinge, die ich, die Welt durchpilgernd, Einst gesehn und bewundert, Völkersitten,

Land und Meer und entfernte Städt' und Reiche, – Tief im Herzen das traur'ge Schicksal bergend, Das mich quälend von Ort zu Ort getrieben!

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