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1817

Der Knabe und die Mutter

Wilhelm Waiblinger

Mutter, wo der Vater? Glücklicher Knabe, Der du lächelnd träumest, Wonneworte lallest,

Nicht denkst, daß wir Bald entwandern dem Lande, Das all' uns wiegt, Dich, mich, den Vater,

All' uns nährte, Wie ich dich! Ach Mutter, wo der Vater? Hinaus,

Mit wilder Wehr, Mit Lanz und Schwerdt, Dem Feind entgegen! Hinaus!

Weit über die Berge, Die steilen, felsumthürmten, In die Ebene, Wo du nie warst, Knabe,

Da ist der Feind, Da ist der Vater! Und bringt er Blumen Aus den Thälern,

Wenn er wiederkehrt, Bringt er mir? Nein! Knabe! Hinabgestiegen von den Felsen

Ist der Vater, Nicht zum Fest Im grünen Eurotasthale, Blumen dir zu bringen,

Mit wilder Kampflust Schwerdt und Dolch zückend, Der Hohe! Flecht' ihm

Aus Lorbeerreisern Und weißen Rosen Einen Kranz! Des Vaters Kampf

Ist hart! Ich thu's! Wind' ihm den Kranz Um die Locken, wenn er kehrt,

Küß' ihn! Ach Mutter, Bist böse? Komm' in meine Arme!

Weine nicht! Wie dieser Busen Einst dich nährte, Nähre Gott dich,

Der Allliebende, Denn ich kann's nicht! Eine Thräne bebt dir Im düstern Auge,

Finstere Mutter! Dort an der Linde! Bringe mir das Schwerdt! Aus den Bergen

Wandeln wir hinab! Das Kind am Busen, Kämpft die Spartermutter, Verzweifelt.

Dort nah'n sie! Mutter! Armer, die Männer! Hörst du's dröhnen und krachen?

Wie die Flamme schlägt Aus dem Hause! Flieh! Komm!

In meine Arme! Schreckliche! Wie deine Locken wirbeln Im Winde!

Fort! Und nun schütze, Schütze die Verzweifelten, Deine Waisen,

Gott!

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