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1817

11.

Wilhelm Waiblinger

Ich hab' es hundertmal erfahren, Daß mir die reinsten Herzensfreuden Ein blut'ger Quell von Schmerzen waren. Mit Herz und Leib, mit Geist und Sinnen,

Als Schönheit und Genuß versuchte Den Blick mir Liebe zu umspinnen, Als höchste Kraft und Gluth im Leben, Als Drang nach That und Ruhm und Ehre

Die Freundschaft meinen Muth zu heben. Ich schlang mit glühendem Vertrauen Den Arm um manchen schönen Nacken, Sah manches Aug' in Thränen thauen.

Mit mir zu streben und zu handeln Schwur manches Heldenherz, und manches Den rauhen Pfad des Ruhms zu wandeln. Doch weil ich hier auf unsrer Erden

Kein Heil'ger bin und kein Apostel Und erst im Himmel möcht' es werden, So war es leicht mich zu bethören, Denn aus dem Kelch, den sie mir reichten,

Konnt' ich den Satan nicht beschwören. So schlürft' ich denn, ein trunk'ner Zecher, Von Freund und Mädchen süß umlispelt, Der Hölle Gift aus vollem Becher.

Drum muß ich jetzt alleine bleiben, Und ohne Freund, und ohne Liebchen Im öden Strom des Lebens treiben. Und siehst du einst noch halb erschlossen

Aus gift'gem Boden manches Veilchen In meines Lorbeers Schatten sprossen, So sei dir eben nicht verhehlet, Daß jenen Blumen ihre Seele,

Der schöne Duft, der Glaube fehlet.

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