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1771

2. Der Winter

Johann Heinrich Voß

Reif im Haupthaar, den Bart voller Eis, taumelt der Alte Winter anitzt aus der benachteten Höhle Grönlands hervor, rufet, erbost umher Schauend, Boreas weitstreifenden Brüdern, und Schirrt das wilde Gespann lärmend am Deichsel des

Schwarzen Wagens. Und bald wird er im Donnersturm Durch den Äther daher stürzen, mit Flocken und Scharfen Schloßen bewehrt. Dann flieh, Autumnus! Dann Flieh, Pomona! Und du, sanfter Lyäus, der

Obotritiens Flur herbere Trauben bräunt! Flieht des Rasenden Grimm, welcher den heulenden Forst entwurzelt, den Fels spaltet, und luftige Berg' erschüttert! Verkriecht, tief in der Terra Schoß,

Euch, ihr Nymphen des Quells, welcher, versteinert, bald Zwischen Blumen nicht mehr murmelnd sich schlängeln wird, Und du, brausender Belt, decke, mit stählernem Harnisch, dich vor der Wut grauser Orkane zu!

Aber, Knaben, itzt eilt, eilt, mit geschliffner Axt, In die Wälder; zerstückt wolkenberührende Bäum', und führt sie auf lautknarrender Axe zu Meinem Br[ückner]! Und ihr, Götter des Feuerherds,

Milde Laren, o schützt, schützt ihn, mit flammender Eiche, vor der Gewalt drohender Stürme, die Ums beschneiete Dach brüllen: wenn er, entzückt, Am Kamine, sein Lied, gleich dem harmonischen

Schwan der Sprea, beginnt, oder den trägen Lauf Der verlängerten Nacht mit den Gesängen spornt, Die uns Gellert gelehrt, und der helvetische Schäfer! Horchend umschließt ihn der entzückte Kreis

Und Dorine, die sanftlächelnd die Augen bei Chloens Körbchen verschlägt, und bei dem blutenden Abel zärtlichen Tau über die glühende Wange tröpfelt; doch bald, nickend von Schlummer, das

Lied der kämpfenden Hand tändelnd entdreht, und dann Ihm mit schalkhaften Hauch plötzlich die Lampe löscht.

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