Im Sonnenschein des Glücks, o J**, sich zu freuen, Ist nur den Thoren schwer, die alle Lust entweihen. Noch mancher klagt nicht stets: ein leichtes Weh erträgt, Ein kleines Gut verliert noch mancher unbewegt.
Die Weisheit waffnet uns auch wider größre Leiden: Sie lehrt, was Böse scheint, vom Bösen unterscheiden, Rechtfertigt die Natur, und lenket unsern Sinn Vom Leiden eines Theils aufs Wohl des Ganzen hin.
Ein tugendhafter Greis darbt in der Tugend Armen, Und findet, wenn er fleht, nur flüchtiges Erbarmen: Die Welt verachtet ihn: er plagt sich bis ins Grab Mit einem siechen Leib, den die Natur ihm gab.
Warum lacht stille Ruh in seinem Angesichte? Die Weisheit tröstet ihn mit ihrem Unterrichte; Vielleicht auch ohne Müh: oft ist Gelassenheit Die Tugend unsers Bluts und sieget ohne Streit.
Doch das Verhängniß zielt und trift mit schärfern Pfeilen Uns näher an das Herz: wird uns die Weisheit heilen? Die wilde Zwietracht sprengt der Höllen eisern Thor Unwidersetzlich auf, und führt den Krieg hervor.
Die ängstliche Natur bebt vor dem Ungeheuer: Vor ihm ist Finsterniß und nach ihm fressend Feuer. Verwüstung überschwemmt des Weisen Vaterland: Sein kleines Erbe seufzt in rauher Barbarn Hand.
Nackt wird er ausgejagt: er sieht mit einem Blicke, Der sich durch Thränen zwingt, noch einmal stumm zurücke. Zum schwarzen Himmel raucht, aus aufgethürmtem Graus, Im allgemeinen Brand, auch seiner Väter Haus.
Der Gattinn, deren Blick ein Himmel ihm geschienen, Der liebsten Gattinn Grab sind brennende Ruinen. Ihm folgt, wohin er geht, ihr Schatten seufzend nach: Er sieht sie, wie sie war, und hört sie, wie sie sprach.
Geh, sag ihm tröstend vor, daß alles auf der Erde, So bös es einzeln sey, doch gut im Ganzen werde. Sieh, ob er fröhlich wird und lange fröhlich bleibt, Und bey des Ganzen Wohl sich minder elend gläubt.
Zwar, wenn er lebhaft denkt, daß Gott die Welt regieret, Und seine Herrschaft gut und allzeit weise führet, Wirds in der Seele licht: wie, wann in dunkler Nacht Der aufgegangne Mond mit vollem Antlitz lacht;
Vor seinem reinen Licht, auf Hügeln und in Sträuchen Und auf bethauter Flur die schwarzen Schatten weichen, Bis ins verborgne Thal die sanfte Klarheit dringt, Und sich der Wandrer freut, der vor Vergnügen singt.
Wenn aber nun der Mond in Wolken sich verstecket, Womit ein feuchter West den Himmel schnell bedecket, Herrscht wieder fürchterlich die alte Finsterniß; Die Bahn durch Wald und Feld wird wieder ungewiß.
So schnell verändert sich des Leidenden Gemüthe, Der seinen Schöpfer denkt, als einen Gott voll Güte. Sein Geist wird aufgehellt, indem die Wahrheit spricht: Wenn sein Gefühl erwacht, verschwindet alles Licht.
Er taumelt, wie erweckt aus angenehmen Träumen: Er kann sein Elend nicht mit weiser Güte reimen; Und in der Dunkelheit, die seinen Geist umgiebt, Erblickt er Gott nicht mehr, den Gott, der Ordnung liebt.
Du fragst: kann also nichts, in leidenvollem Leben, Dir dauerhafte Ruh und sichre Freude geben? Nichts! wenn das wenige, was menschlich Leben heißt, Das ganze Leben ist, auch selbst für meinen Geist.
Wie? meine Seele stirbt? Mir schaudert! und vergebens Wandt ich, betrogner Thor, den besten Theil des Lebens Auf sie, die, gleich dem Dunst, aus ihrem Leib verraucht, Kaum da sie richtig denkt, und ihre Kräfte braucht?
Vergebens dacht ich ihr der Tugend Schmuck zu geben, Den Adel eines Geists, den Weise nur erheben? Mitleidig seh ich, ach! der Tugend Leiden an: Des Glückes Unbestand ist ihr nicht unterthan.
Und nach dem Tod verwest vielleicht in nahen Höhlen, Der tugendhafte Geist, mit lasterhaften Seelen? Hilft mir die Tugend nichts, warum verehr ich sie, Leb ihr gemäß, als Mensch, und sterbe gleich dem Vieh?
Wer sich unsterblich fühlt, kann große Thaten wagen, Und seinem schlechtern Theil mit edlem Stolz entsagen: Wer ganz zu sterben glaubt, denkt schwerlich als ein Held, Stirbt, wie der feile Sklav, und stirbt nicht für die Welt.
Der stolze Weichling denkt sich sterblich und erzittert; Und sein Vergnügen wird im vollen Kelch verbittert. Wo kann er sicher seyn? Auch unter Myrten droht Der Tod im Hinterhalt, und überall ist Tod.
Drum, J**, sehen wir die Weisen aller Zeiten Des Grabes Forderung an unsern Geist bestreiten. Sie streiten immer noch: gewiß ein edler Streit! Der Sieg giebt mehr als Ruhm; er giebt Unsterblichkeit.
Die Tugend kämpft für sie, mit allen ihren Freunden: Das Laster sieht den Streit, und schlägt sich zu den Feinden. Auf beyden Seiten sind die Waffen mancherley, Bald Gründe, bald nur Witz und leichte Spötterey.
Was hat man nicht gesagt, als wohlgesagt gepriesen, Bewiesen, widerlegt, und wieder neu bewiesen! Die richtende Vernunft, auf ihre Wissenschaft Sonst übermüthig stolz, spricht hier ganz zweifelhaft.
Sie schließt: Was in uns denkt, und was wir Seele nennen, Ist nicht Materie, so weit wir diese kennen: Und stirbt, was einfach ist? Wenn durch des Schöpfers Wort Es nicht vernichtet wird, so lebt es ewig fort.
Er kann es! Will er auch? Hier soll die Weisheit richten! Was hätte Gott für Grund, ein Wesen zu vernichten, Das edle Kräfte hat, die kaum bemerkt im Kind, Im Jüngling noch nicht reif, erst späte nützlich sind,
Doch, durch die Zeit gestärkt, auch schon in diesem Leben Den Gott verherrlichen, der iede Kraft gegeben, Der sie zu seinem Ruhm den Menschen beygelegt, Und sein erhabnes Bild in ihren Geist geprägt?
Dieß Wesen könnte sich noch stets vollkommner machen; Und Gott vernichtet es, gleich liederlichen Sachen? Und pflanzte doch den Trieb nach einem bessern Seyn Und nach Unsterblichkeit in dieses Wesen ein,
Das, bey dem größten Fleiß, nie, was es werden wollte Und werden könnte, seyn und endlich sterben sollte? Freywillig schafft er es für einen Augenblick, Will, daß es glücklich sey, versagt ihm ewig Glück?
Wär auf die Erde nur sein Schicksal eingeschränket, So hätt' ein Gott voll Huld ihm reinre Lust geschenket: Der Traum des Lebens wär, in diesem engen Raum, Der Tugend wenigstens, ein angenehmer Traum.
Wär' Unschuld ohne Schutz und Redlichkeit in Banden? Wär' eine Tyranney, der Völker Fluch, entstanden? Und hätte nicht ein Blitz, eh Nerons Grausamkeit Blutdürstig wütete, Rom und die Welt befreyt?
Doch ungehindert kann das Ungeheuer wüten: Die schwarze Seele darf stets neue Frevel brüten: Die Mutter wird erwürgt, nachdem er lang gedroht, Und einem Brudermord folgt einer Gattinn Tod.
Das Blut der Edlen strömt: nach Blut und Schätzen dürsten Der Fürst, und öfter noch, die Sklaven dieses Fürsten. Ein Weiser blutet hier, dort ein bejahrter Held; Den Patrioten schützt kein Winkel in der Welt.
Sie sterben kaum beweint: denn Thränen sind Verbrechen, Und Klagen ist Verrath, den Gift und Martern rächen. Das blasse Schrecken sitzt auf iedem Angesicht; Und wer Vergnügen zeigt, ist selbst ein Bösewicht.
O Rom, unglücklich Rom! zu spät und ach! vergebens Straft ein verdienter Tod die Greuel seines Lebens! Manch andrer geht nach ihm die blutbefleckte Bahn; Und was ein Nero that, thut ein Domitian.
Ist Gott nicht ungerecht, und herrscht in seinen Schlüssen Die weise Gütigkeit, die wir verehren müssen; So sterben wir nicht ganz, so muß der Leib allein, Nicht unser Geist mit ihm, des Grabes Beute seyn;
Und unser Schöpfer wird, in einem andern Leben, Der Tugend ihren Lohn und ihre Krone geben. Ist alles dieß nur Wahn und stolze Schmeicheley? Sprich, ob der ganze Schluß nicht sehr wahrscheinlich sey!
Er ists! Wird aber nicht der bange Zweifel fragen: Wer kennt den Ewigen? Wir schämen uns, zu sagen, Daß menschlicher Verstand, vom Körper eingeschränkt, Die Weisheit eines Gotts in ihrem Umfang denkt:
Doch wagen wir den Schluß, der Schöpfer müsse wollen, Daß Geister unsrer Art unsterblich dauern sollen? Schließt ein Geschöpf so kühn, das durch die Welt nur flieht, Und ihren großen Plan nur unvollkommen sieht?
So muß denn meine Ruh auch unvollkommen bleiben! Ein schmeichelndes Vielleicht! das wir mit Witz beschreiben, Soll mich beruhigen, in einer Sache, Freund, Die mir die wichtigste für einen Menschen scheint?
Und muß ich mich noch erst in unerhellten Gangen, Durch dornichtes Gesträuch, zum Schein der Wahrheit drängen? Kömmt hier die Einfalt fort? Wenn sie nicht folgen kann, Ist Ruhe des Gemüths ein Gut für iedermann?
Auch selbst ein heller Geist verirrt sich unter Schlüssen, Wenn ihn, bey heitrer Luft, mit schnellen Finsternissen Die Trübsal überfällt: er sucht ein tröstend Licht, Das lehrende Vernunft, oft übereilt, verspricht.
Nun scheint ihm zweifelhaft, was ruhigern Gedanken Bewiesne Wahrheit schien: die festen Schlüsse wanken: Die Ungewißheit stürmt von allen Seiten ein: Kann wahrer Heldenmuth in seiner Seele seyn?
Verzweiflung reißt ihn fort, indem er sich mit Zittern An morschen Gründen hält: wie wann in Ungewittern Das steuerlose Schiff an Klippen scheiternd läuft, Ein Mensch mit starrer Hand den nächsten Strauch ergreift.
Hier hängt er halb entseelt; nach seinem schwachen Leben Brüllt unter ihm die See: die schwanken Aeste beben: Die Wurzel reißt sich los; und nun deckt seinen Blick Des Todes Finsterniß: er stürzt ins Meer zurück.
Nur dieses wissen wir: ob Geister dauern sollen, Hängt von dem Schöpfer ab; es liegt an seinem Wollen. Zu wissen, ob er will, muß unsre Sorge seyn: Hüllt seinen Rathschluß noch ein heilig Dunkel ein?
Hat Gott sich nicht erklärt, ob unser Geist bestehe, Nicht mit dem schweren Leib, nicht modernd untergehe, Wenn Welten untergehn! Kein Zweifel findet Statt, Wenn was die Tugend hofft, Gott selbst bestätigt hat.
Er thats, und redete zum menschlichen Geschlechte Durch weiser Männer Mund, die, als der Gottheit Knechte, Durch Wunder ohne Zahl den Völkern vorgestellt, Mit Heiligkeit gesalbt zu Lehrern einer Welt,
Nicht aus Vermuthungen, wie unsre Weisen schließen, Nein, weil es Gott gesagt, Unsterblichkeit verhießen. Dich, Sonne, sprachen sie, erschuf Gott für die Zeit; Des Menschen edlern Geist für Zeit und Ewigkeit.
Sie sprachen: göttlich Licht umglänzte Gottes Boten, Und strahlte weit umher: der Erde Fürsten drohten: Tyrannen mordeten: trotz allem Widerstand, Ward aus der halben Welt die Finsterniß verbannt.
Doch seh ich Sterbliche vom Lichte sich entfernen, Auf eigne Kräfte stolz, zu stolz, von Gott zu lernen. Ein Weiser zieht noch oft, noch öfter zieht ein Thor Die Dämmrung der Vernunft dem vollen Tage vor.
Zwar, daß kein tödtlich Gift der Seele Leben raubet, Das Grab sie nicht verschließt, hat Socrates geglaubet, Gewünschet und gehofft, und mit beredter Lust Auch sterbend noch gelehrt; doch nicht gewiß gewußt.
Begeistert redet er in seinen letzten Stunden; Und was er sagt, bezeugt, wie lebhaft ers empfunden: Man siehts, er sucht Beweis zur Wahrheit, die er liebt, Und schmückt Vermuthungen, die er für Gründe giebt.
Wär ihm ein reinres Licht vom Himmel aufgegangen, Mit welcher dankbarn Lust hätt' er dieß Licht empfangen, Er, der nicht zweifelte, daß, wie man Gott verehrt, Uns niemand lehren kann, als den Gott selbst gelehrt?
Er hoffte! War vielleicht, (verzeih der kühnen Frage!) War seiner Hoffnung Grund nicht eine graue Sage? Hat bey der Schöpfung nicht der Schöpfer offenbart, Was von den Weisesten nur fortgepflanzet ward?
Wie konnt ein Sterblicher Unsterblichkeit vermuthen, Der alles rings umher, die Bösen und die Guten, Gleich Thieren, sterben sah? Sträubt die Vernunft sich nicht, Wenn ein gewagter Satz den Sinnen widerspricht?
Oft schmückt sich die Vernunft mit abgeborgten Sätzen: Der stolze Philosoph nimmt von des Christen Schätzen, Was ihm gefällt und nützt, und gründet seinen Ruhm Auf ungestandnen Raub, als auf ein Eigenthum.
Vielleicht erkühnt er sich, in ganz verdorbnen Zeiten, Auch die Religion undankbar zu bestreiten, Die seine Lehrerinn und unsre Hoffnung ist, Dem Vorwitz viel verschweigt, für Weise nichts vergißt.
Wie göttlich ist sie mir in jenen hohen Lehren, Die wir von deinem Mund, beredter J**, hören, Wenn sich der Christen Volk an heilger Stäte drängt, Und ihr begierig Ohr an deinen Lippen hängt!
Ich seufze, wenn sie klagt, daß aus des Schöpfers Händen Der Mensch vollkommen kam, den Wahn und Laster schänden. Ich zittre, wenn sie Gott, vor dem die Erde schweigt, In seiner Heiligkeit, als meinen Richter zeigt.
Doch wenn mit heitrer Stirn, die Glanz des Himmels krönet, Sie mich zum Opfer führt, das diesen Gott versöhnet Und ihm genug gethan; das menschlicher Verstand So lang mit eignem Licht gesucht und nicht gekannt:
So wird mein Geist voll Ruh, und meine Seele freuet Sich auf Unsterblichkeit, die nicht mehr schrecklich dräuet: Der Tugend, ist sie gleich vor einem Gott nicht rein, Soll ewig Leben doch kein ewig Elend seyn.
Ich soll zur Prüfung nur auf einer Erde leben, Wo Freude schüchtern lacht, und Leiden uns umgeben. Dieß Leben ist ein Punkt im allgemeinen Plan; Und nach dem Tode fängt mein bessres Leben an.
Das Leben, das ich einst unsterblich leben werde, Bestrahlt von weitem schon mein Leben auf der Erde. Die Nacht vermindert sich, die das Verhängniß deckt, Und lüsterner Vernunft sein Heiligthum versteckt.
In schönerer Gestalt lacht mir die Welt entgegen, Und Rosen schimmern durch auf dornenvollen Wegen. Der finstre Kerker selbst ist für die Tugend nicht So schrecklich, als er scheint, nicht ohne sanftes Licht.
Durch gute Folgen wird, was böse scheint, geadelt: Verwegner armer Staub, der seinen Schöpfer tadelt! Was auch der Weiseste von seinem Schicksal sieht, Ist von der Kette nur ein abgerißnes Glied.
Das Glück der Ewigkeit bestimmt Begebenheiten, Die mit verdientem Glück auf unsrer Erde streiten: Gott richtet, was itzt ist nach dem, was seyn wird, ein, Ein weiser guter Gott: kann ich nicht ruhig seyn?
Verhängt er widrig Glück? Versagt er Wunsch und Freuden? Der Tugendhafte weiß, daß auch die schwersten Leiden Oft weise Züchtigung für ein verirrtes Kind, Der Menschheit widerlich, nicht wirklich schädlich sind.
Denn Gott regiert die Welt! Wir wissen dieß aus Gründen: Was die Vernunft errieth, hieß Gott gewiß verkünden. Er führt uns bey der Hand die angewiesne Bahn: In Demuth bet ich ihn und seine Führung an.
Der Himmel schwärze sich, vom lichten Blitz zerrissen; Der Donner zürne laut aus furchtbarn Finsternissen: Die Erde, wo ich geh, sey mir ein steinicht Feld, Auf meiner Pilgrimschaft durch diese niedre Welt!
Die längste Reis' ist kurz, nur eines Tages Reise: Welch kleiner Unterschied macht Jünglinge, macht Greise! Das Grab ist iedem nah, aus dessen stiller Nacht Ein Strahl der Ewigkeit mir in die Augen lacht;
Ein hoffnungsvoller Strahl, der mich im Leid erquicket, Und ieden feigen Schmerz und niedern Wunsch ersticket, Und wenn die Seele sich im Sinnlichen vergißt, Sie edler denken heißt und ihr Erinnrer ist.
Er lehrt mich euch verschmähn, euch glänzende Gestalten, Die Wahn und Unverstand für ihre Götter halten! Dich, Reichthum! dich, o Ruhm, Traum an der Ehre Brust! Und euch Ergötzungen, berauschter Sinne Lust!
Ihr, deren Lockungen den Klugen selbst berücken, Ihr scheint vor mir zu fliehn, und Thoren zu entzücken? Der Schöpfer will es? flieht! Ein Gut, das doch einmal Beym Grabe mich verläßt, entbehr ich ohne Qual.
Ihr Freunde, die das Grab in seinem Schooß empfangen, Ich schäme mich vor euch der thränenvollen Wangen! Ich seh euch wieder, ich, der auch unsterblich bin! Wohin ihr früher kamt, komm ich nur später hin.
O Cronegk, dessen Tod so manchen Freund betrübte. Du Liebenswürdiger, der sterbend noch mich liebte, Der ein vortrefflich Herz mit großem Witz verband, Und dessen ganzen Werth nur wenige gekannt!
Du lebst! Ich tröste mich: die Thränen sind vergebens! Der Tod verändert nur die Scene deines Lebens: Du lebst in Gegenden, wohin die Tugend führt, Wo, stets beglückt mit ihr, Unsterblichkeit regiert.
Entkleidet durch den Tod vom sterblichen Gewande, Durchwandelst du, ganz Geist mit hellerem Verstande, Die Wohnungen des Lichts, siehst nun der Schöpfung Plan Mit schärfern Blicken ein, und betest schweigend an.
Zu Lobgesängen reißt dich dann ein heilig Feuer: O welch Entzücken strömt von deiner güldnen Leyer, Die sich nun ungetheilt dem großen Schöpfer weiht! Du siehst ihn, bist beglückt und bist es allezeit.
Wir wünschen dich zurück zu niedern Gegenständen? O Musen, seine Lust, pflanzt mit bethränten Händen Den Lorbeer um sein Grab, der unvergänglich daurt, In dessen Schatten einst die Nachwelt ihn betraurt!
Betrachtest du den Tod in diesem höhern Lichte; So lächelt Gütigkeit in seinem Angesichte. Der Bote der Natur ergreifet unsre Hand, Und führt uns, als ein Freund, in ein beglücktres Land.
Dem trägen Sinnlichen graut vor der letzten Reise: Der Thor stirbt, weil er muß; mit Freuden stirbt der Weise, Der durch Religion und Tugend unterstützt, Wann schon auf seiner Stirn die Todtenblässe sitzt,
Nicht mit des Pöbels Furcht den Augenblick entweihet, Den großen Augenblick, der unsern Geist befreyet, Und über Tugenden und wahren Heldenmuth Und über ewig Glück gerechten Ausspruch thut.
Er geht voll Zuversicht aus diesem kurzen Leben, Obgleich noch Schatten sind, die seinen Pfad umgeben. Er weiß, wohin er geht: sein Ziel ist Ewigkeit, Und ein versöhnter Gott ist seine Sicherheit.
Kann seine Seele nicht vor Grab und Moder zittern; Wie sollte seinen Muth ein flüchtig Weh erschüttern, Der Schmähsucht Ungestüm, ein Sturm, vom Glück erregt, Der, was ihm doch nicht bleibt, ihm aus den Händen schlägt?
Er leidet unentehrt, bleibt groß, auch wenn er trauert: Er weiß, daß aller Schmerz nur Augenblicke dauert: Sein Leiden, weil es ihm ein Gott voll weiser Huld, Ihn zu verbessern, schickt, erträgt er mit Geduld.
Er ist kein blinder Sklav der sinnlichen Begierde, Genießt, mit edlem Stolz auf seine wahre Würde, Die niedern Freuden hier nur flüchtig, als im Lauf, Und opfert, ohne Gram, sie höhern Gütern auf.
Ihn lockt kein Blumenweg, beym Laster zu verweilen: Ihn reizt kein falscher Glanz, der Thorheit nachzueilen. Er geht auf seinen Zweck mit unverwandtem Blick: Nicht für die Zeit bestimmt, verachtet er ihr Glück.
Nur wer zu sterben weiß, kann stets zufrieden leben! Die wahre Freude nur, nach der die Weisen streben, Versüßt dem Sterblichen die Reise durch die Zeit, Und folgt, unsterblich selbst, ihm zur Unsterblichkeit.
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