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1720–1796

Morgenlied der Schäfer.

Johann Peter Uz

Die düstre Nacht ist hin, Die Sonne kehret wieder. Ermuntre dich, mein Sinn! Und dichte Freudenlieder.

Die ihr, wann Hirten flehn, Ein willig Ohr gewähret, Jhr Götter! last geschehn, Was itzt mein Mund begehret.

Gebt mir ein weises Herz, Das allen Gram verfluche; Und mehr den Jugendscherz, Als Gold und Sorgen suche.

Es rufe nie die Nacht Den güldnen Tag zu Grabe, Bis ich beym Wein gelacht, Das ist, gelebet habe.

Schützt Amors frohes Reich, Schützt unsre frohen Reben, Daß Lieb und Wein zugleich Stets iedes Herz beleben.

Wird Wasserbad und List Lyäens Gottheit schwächen; Wird stündlich nicht geküsst: So wollet ihr es rächen!

Nie müss' ein artig Kind Die wilde Strenge lieben! Nur die nicht artig sind, Laßt Grausamkeiten üben!

Auch segnet nun den May, Der manche zärtlich machte; Daß keine Schöne sey, Die nicht nach Küssen schmachte.

Wenn mancher, den ihr wisst, Sich doch verläugnen könnte, Daß, was ihm unnütz ist, Er seinem Nächsten gönnte!

Was soll der schwache Mann Beym jungen Weibchen keichen? Was er nicht brauchen kann, Das laß er meines gleichen.

So müsse meine Brust Ein ieder Tag entzücken, Und eine frische Lust Mit ieder Nacht beglücken!

Bey Mädchen und bey Wein, Mit Bluhmen um die Haare, Will ich euch dankbar seyn, Jm Frühling meiner Jahre.

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