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1720–1796

Ein Gemählde.

Johann Peter Uz

Sieh! welche Schilderey! Beblühmt kein wahrer May, Jm Schoose der Natur, O Phyllis! diese Flur?

Ein dick Gebüsch umkränzt Die Quelle, die hier glänzt: Am grünen Ufer hin Schläft eine Schäferinn.

Sie liegt, nur leicht bedeckt, In Bluhmen hingestreckt. Mit ihren Locken spielt Ein Zephyr, der sie kühlt;

Und ihre weisse Brust, Schon reif zu schlauer Lust, Verräth sich unterm Flohr, Und wallt im Schlaf empor.

Sieh diesen Schäfer hier, Der, unbewegt, nach ihr Mit weiten Augen sieht: Wie seine Wange glüht!

Sein Leib hangt ungeschickt, Auf einen Stab gebückt, In plumper Stellung hin Zur holden Schläferinn.

Der Wilde fühlt ein Herz! Hat ihn der Liebe Scherz, Als Zeugen ihrer Macht, Zur Schönen hergebracht?

Er hat schon mehr Verstand; Und wird ganz umgewandt Zu seinen Schafen gehn, Nachdem er sie gesehn.

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