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1720–1796

Die versöhnte Daphne.

Johann Peter Uz

Jm Schatten einer alten Eiche Saß Daphne, da die Sonne wich; Als in dem einsamen Gesträuche Myrtill sich ihr zur Seite schlich.

Er will den Liljenhals umfassen, Der seinen Küssen sich entzieht. Nichts, leider! wird ihm zugelassen: Sie rafft sich zornig auf und flieht.

Was wird von Schönen uns versaget, Das kühne Schalkheit nicht erpresst Da Daphne flieht und fliehend klaget, Hält ihr Myrtill sie schmeichlend fest.

Myrtill erzwingt von Daphnen Küsse, Die ihre Hand nur schwach bekämpft: Denn, ach! ein Kuß ist viel zu süsse! Ein Kuß hat manchen Zwist gedämpft.

Sie schlägt die Augen schamroth nieder: Das blöde Mädchen thut sich Zwang Und eifert auf gewisse Lieder, Die jüngst Myrtill der Chloe sang.

Doch, fährt sie fort, um dir zu zeigen, Daß ich mit dir nicht zürnen will; Ich will zu neuem Frevel schweigen; Küß immer noch einmal, Myrtill!

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Die versöhnte Daphne. · Johann Peter Uz · Poetry Cove