Skip to content
1758

Der Sommer und der Wein

Johann Peter Uz

In diesen schwülen Sommertagen Fliegt Amor nur in kühler Nacht, Und schlummert, wann die Sonne wacht: Die Muse träumt nur matte Klagen.

Ich hänge mit verdrossner Hand Die träge Leyer an die Wand. Doch, Freund! in schwülen Sommertagen, (Zischt mir Lyäus in das Ohr:)

Hebt sich der Weinstock stolz empor, Den Frost und Regen niederschlagen: Und nur der höhern Sonne Glut Kocht seiner Trauben göttlich Blut.

So mag in schwülen Sommertagen Der Weichling, Amor, schüchtern fliehn, Und Scherz und Muse sich entziehn: Der Wein wird sie zurücke jagen.

Es reife nur der frohe Wein: Was kann mir unerträglich seyn?

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Der Sommer und der Wein · Johann Peter Uz · Poetry Cove