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1758

Der Morgen

Johann Peter Uz

Auf! auf! weil schon Aurora lacht; Ihr Gatten junger Schönen! Ihr müßt nunmehr, nach fauler Nacht, Dem Gott der Ehe fröhnen.

Erneuert den verliebten Zwist, Der süsser, als die Eintracht ist, Nach der sich Alte sehnen. Ists möglich, daß zu solcher Lust

Ein Gatte nicht erwache? Daß eine nahe Liljen Brust Ihn nicht geschäftig mache? Indeß schwebt um der Gattinn Haupt

Der Morgentraum, mit Mohn belaubt: Ihr träumt von eitel Rache. Da, wo Cytherens waches Kind Den Schlaf vom Bette scheuchet;

Da rauschts, wie wann ein Morgenwind Bethautes Laub durchstreichet. Da lauschet meine Muse nun, Die, wie die Mädchen alle thun,

Verliebte gern beschleichet. Der Vorhang weicht: welch reizend Weib! Ich sehe Venus liegen, Und zarten Flohr den Marmorleib

Unachtsam nur umfliegen. Wie sucht ihr Blick, der kriegrisch glüht, Den süssen Feind, der noch verzieht; Und dürstet nach Vergnügen.

Du itzo noch verliebtes Paar, Was mangelt deinem Glücke? Ich werde, selbst entzückt, gewahr, Daß Hymen auch entzücke.

Die Muse sieht hinweg und weicht: Doch manchmal und verstohlen schleicht Ein halber Blick zurücke.

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