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1720–1796

Der Morgen.

Johann Peter Uz

Auf! auf! weil schon Aurora lacht; Jhr Gatten junger Schönen! Jhr müßt nunmehr, nach fauler Nacht, Dem Gott der Ehe fröhnen.

Erneuert den verliebten Zwist, Der süsser, als die Eintracht ist, Nach der sich Alte sehnen. Ists möglich, daß, geweckt von Lust,

Ein Gatte nicht erwache? Daß eine nahe Liljen-Brust Jhn nicht geschäftig mache? Indeß schwebt um der Gattinn Haupt

Der Morgentraum, mit Mohn umlaubt; Jhr träumt von eitel Rache. Dort, wo Cytherens waches Kind Den Schlaf vom Bette scheuchet;

Dort rauschts, wie wann ein Morgenwind Bethautes Laub durchstreichet. Dort lauscht auch meine Muse nun, Die, wie die Mädchen alle thun,

Verliebte gern beschleichet. Der Vorhang weicht: welch reizend Weib! Ich sehe Venus liegen, Und leichten Flohr den Marmorleib

Verrätherisch umfliegen. Wie sucht ihr Blick, der kriegrisch glüht, Wie sucht er, wenn der Streit verzieht, Streit, Gegner und Vergnügen!

Du itzo noch verliebtes Paar, Was mangelt deinem Glücke? Ich werde selbst entzückt, gewahr, Daß Hymen auch entzücke.

Die Muse sieht hinweg und weicht: Doch manchmal und verstohlen schleicht Ein halber Blick zurücke.

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