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1720–1796

Der Abend.

Johann Peter Uz

Mit finstrer Stirne stehn wir da, Und ordnen das Geschick der Staaten, Und wissen, was bey Sorr geschah, Und wissen Oesterreich zu rathen.

Indeß verschließt sich unsre Brust Dem Ruf der lockenden Cythere: Denn steigt nicht schon, zu Amors Lust, Der Abend aus dem kühlen Meere?

Erkennet euern Eigensinn Und daß die Zeit geflügelt scheide! Jhr schwatzt, sie fliegt, sie ist dahin Mit aller angebothnen Freude.

Ich will zu jenen Büschen gehn, Die sanft von Zephyrs Ankunft beben. Da hoff ich Lesbien zu sehn, Wenn sichre Schatten uns umgeben.

Bereits ertönt in stiller Luft Der Nachtigall verliebte Klage: Sie hüpft von Zweig auf Zweig und ruft Mit süssern Liedern, als am Tage.

Was Wunder, wenn sie brünstig girrt, Seit Amor mit gespanntem Bogen, Bey dem ein voller Köcher schwirrt, Dem jungen Frühling nachgeflogen!

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Der Abend. · Johann Peter Uz · Poetry Cove