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1720–1796

Das neue Orakel.

Johann Peter Uz

Propheten unsrer Zeit, Zigeuner, kluge Weiber! Weh euch! ihr alle seyd verschmäht! Seht, wie der Coffeesatz, der Neugier Zeitver- treiber,

Sich als Orakel bläht. Die schlaue Phantasie sieht in geheimen Zeichen Des weisen Schlammes Antwort stehn: Wie die um Mitternacht durch öde Wälder streichen,

Gespenst und Schätze sehn. Auch mir verkündigt sie, und Liebe hilft mir glauben, Daß ich mein Mädchen küssen soll. Nichts kann gewisser seyn! da schnäbeln sich zwo Tauben:

Das ist geheimnißvoll! Zwar sieht mein Auge nichts; doch glaub ich mei- nem Glücke: Die Tauben sind unsichtbar da:

Auch Bileam sah nicht, was mit erstauntem Blicke Sein Thier erleuchtet sah. Sey gläubig, loses Kind! und komm und laß dich küssen!

Umsonst ist alle Sprödigkeit. Dein Stolz wird endlich doch dem Schicksal weichen müs- sen: Es ist mir prophezeyt!

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