Mein Gleim, der in beglücktrer Luft Mich halben Wilden oft bedauert, Mich oft aus dieser Wüste ruft, Wo noch mein Saitenspiel an dürren
Sträuchen trauert! Wie reizet mich der Musen Ruhm, Die um die stolze Spree erwachen, Wo ihr verfallnes Heiligthum
Mit neuem Glanze strahlt, und Rosen ihnen lachen! Denn höre, was dein Freund hievon, Bey dieses Glückes Anbruch, hörte, Am bluhmenvollen Helicon,
Als tief im Lorbeerwald ihn Pindar einsam lehrte. Den Hayn durchflog ein Lustgesang; Die heilge Stille wich von hinnen: Ich sah, indem ich näher drang,
Ich sah den Musengott und alle Pierinnen. Sie sungen voll zufriedner Lust; Der necktarvolle Becher glänzte; Es reichten ihn, mit nackter Brust,
Die jungen Grazien, die Ros’ und Myrth umkränzte. Bald schlossen Alle Hand in Hand; Ein Reihentanz ward angefangen: Da floß ihr unbewahrt Gewand
In Thau und Bluhmen hin; es brannten ihre Wangen. Mit Recht war iede Muse froh: Dein König hieß die Waffen schweigen. Wer hoffte nicht, als Mavors floh,
Nun würde Friedrichs Huld sich zu den Musen neigen? Und gleich lud Fama, froh erhitzt, Sie nach Berlins gewünschten Auen: Dort, Musen! sprach sie, sollt ihr itzt
Athen zum andernmal im alten Flore schauen. Sie sprach und floh; und Phöbus fiel Mit rascher Hand in seine Saiten: Er sang und ließ sein Saitenspiel,
Voll Necktars und voll Lust, sein göttlich Lied begleiten. Beglücktes Reich! der Länder Zier! Brach Phöbus aus; und alles lauschte: Es schwieg das lüsterne Revier;
Es schwieg der laute West, der in den Lorbeern rauschte. Ja! fuhr er fort, beglücktes Reich, Wo Friedrich herrscht, wie Väter pflegen, Gleich groß und stets Minerven gleich,
Es schwinge seine Faust den Oelzweig oder Degen! Ich seh ihn! welch ein kühner Held! Der schnelle Sieg fliegt ihm zur Seite. So kommt der Kriegsgott aus dem Feld;
So furchtbar glüht sein Blick, entflam̃t vom wilden Streite! Doch Friedrich will geliebet seyn: Er wird bald müde, stets zu schrecken; Und hängt im nahen Palmenhayn
Die güldnen Waffen auf, die Staub und Blut dedecken: Und wirft sich, da der Sieg ihm lacht, Dem Frieden in die holden Arme, Da neben ihm die Weisheit lacht,
Voll Glanzes und umringt von kluger Freuden Schwarme. Wie wird nunmehr die güldne Zeit In seinen Staaten sich verjüngen, Und überall Zufriedenheit
Und reicher Ueberfluß die sichren Flügel schwingen! Drum eilt auch ihr an Friedrichs Brust, Jhr Musen, mit dem ächten Witze! Er winket euch! seyd seine Lust,
Und weicht hinfort nicht mehr vom königlichen Sitze: Und lehrt am ewigen Berlin, Auf das die Welt bewundernd schauet, Wie herrlich alle Künste blühn,
Wenn ein Monarch sie pflegt, und Gnade sie bethauet.
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