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1720–1796

An Herrn Secretär G*.

Johann Peter Uz

Ich dräng im Geiste mich zum Tempel der Cythere, Durch schwärmender Verliebten Heere, Durch den geweihten Myrthenhayn. Die Freude reichet mir die Hände;

Sie führt mich schalkhaft lächelnd ein: Ach! wenn sie nicht so schnell verschwände, Wenn unser Herz sie rein empfände; Wie göttlich würde sie nicht seyn!

Die Ueberwinderinn der Herzen Ruht unter gauckelhaften Scherzen: Jhr Auge flammt voll schlauer Lust, Und Wünsche schwellen ihre Brust.

Es dampft, mit Seufzern untermischet, Der Weirauch wolkicht vom Altar; Und ihres Zephyrs Hauch erfrischet Sie, ach! die manch verlohrnes Jahr.

Mir fremde war. Nun klopft mein Herz ihr wild entgegen; Und Bluhmen düften auf den Wegen Zum Sitz der großen Königinn,

Zum innern Tempel hin, Wohin Chlorinde mich begleitet, Die, wenn ich ihr zu zärtlich bin, Sich scherzend sträubt und lockend streitet.

Die Göttinn lächelt sanft, und ihr entwölkter Blick Weissaget meiner Liebe Glück: Wie wird mein Feuer angefachet! Doch wie? was Cypris mir verspricht,

Vollzieht sie selber nicht? Sie winkt! und wem? verdrüßliches Gesicht, Auf dem die magre Sorge wachet, Das niemals, oder frostig lachet!

Ach! Hymen ists, und ihn verlangt ich nicht! Wie? Amor und sein Chor verschwand, Sobald er neben sich den trägen Hymen fand, Den ekelhaft Gepräng noch ekelhafter machet?

O schrecklich Wort! o Ehestand! Mein Saitenspiel entschläft, und schlüpft mir aus der Hand.

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