Les’ ich Amaliens Geschichte,
Die bey dem schönsten Angesichte
Das beste Herz und mehr Verstand besaß,
Als Booth, ihr Taugenichts, der sie so oft betrübte,
So oft bey Metzen sie vergaß,
Mit ihnen soff und fraß,
Da ihn Amalia stets gleich, stets zärtlich liebte:
So wallt mein schnell erregtes Blut;
In einer Art von Wuth
Vergeß ich Hymens wahres Wehe:
Da seufz ich nach der Ehe.
Doch übersieht mein ernster Blick
Der Ehen trauriges Geschick;
Wie Hymen, der die Kunst geerbet,
Die Proteus aufgebracht,
Das beste Mädchen ach! verderbet,
Und oft in einer Nacht
Ein sanftes Lamm zum Tieger macht;
Wie viel Vulcane sich bey ihrer Venus härmen,
Bey ihrem Feuer oft auch Sklaven sich erwärmen,
Bey ihrer Schmach die Welt nur lacht:
Indeß die arme Treu, altväterisch gekleidet,
Stets hinder ihnen drein und stets vergeblich läuft;
Indem sie niemand hört, so sehr sie klagt und keift;
Wie, wann ein seltnes Paar nicht Höllen-Qualen leidet,
Doch Langeweil und Ueberdruß
Vom ehelichen Kuß
Ach! allzuselten scheidet:
So zittert mit gerechter Pein
Ein Schauer mir durch Mark und Bein;
So denk ich nur an Hymens Wehe,
So graut mir vor der Ehe.