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1720–1796

An Herrn Secretär G*.

Johann Peter Uz

Du spieltest, Freund, mit Lieb und Schönen, Als einer der sie nicht gekannt, Bis mitten in der Lust und süsser Saiten Tönen Erfahrung peinlich dich verbrannt.

So scherzt ein munters Kind mit der geliebten Katze: Der Knabe neckt sie lang, und ihre fromme Tatze Scheint Sammet, scheint ihm unbewehrt, Bis ein geschwinder Schmerz und rinnend Blut ihn

lehrt, Daß auch ein artig Thierchen kratze. O Mädchen! Mädchen! flieht! umsonst ist mein Be- mühn:

Wann ihr nicht flieht, ich kann nicht fliehn; Und wenn ich noch so gerne wollte, Und als ein Weiser sollte. Denn wider ein geliebt Gesicht

Und eine schöne Brust hilft alle Weisheit nicht. Doch schwör ich bey dem weisen Bart Des ersten Stoickers, des Mannes meiner Art: Ich schwör, und, o verzeiht, ihr Mädchen! daß ich

schwöre; Mein Schwur gereichet euch zur Ehre: Nie will ich euch sehr nahe seyn; Nie will ich bey vergnügten Wein,

Wie, leider! sonst geschehn, leichtsinnig euch besin- gen. Soll meine Leyer ja von eurem Reiz erklingen: So mach ich mich dazu mit Fasten erst bereit,

Und singe fern von euch und voller Schüchternheit. Denn o! ich seh es und mit Schmerzen: Es läßt mit Mädchen sich nicht scherzen.

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