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1720–1796

An die lyrische Muse.

Johann Peter Uz

Wohin, wohin reißt ungewohnte Wuth Mich auf der Ode kühnen Flügeln, Fern von der leisen Fluth Am niedern Helikon und jenen Lorbeer-Hügeln!

Ich fliehe stolz der Sterblichen Revier; Ich eil in unbeflogne Höhen: Wie keichet hinter mir Der Vogel Jupiters, beschämt mir nachzusehen!

In Gegenden, wo mein entzücktes Ohr Der Sphären Harmonie verwirret, O Muse! fleug mir vor, Du, deren freyer Flug oft irrt, nie sich verirret!

Ich folge dir bald bis zur Sonne hin, Bald in den ungebahnten Haynen Mit Libers Priesterinn, Wo keine Muse gieng und andre Sterne scheinen.

An deiner Hand, wann mich Lyäus ruft, Was kann den kühnen Dichter schrecken? In welch entfernter Kluft Wird meiner Leyer Scherz ein schlafend Echo wecken?

Denn nur von Lust erklingt mein Saitenspiel, Und nicht von leichenvollem Sande, Von kriegrischem Gewühl Und vom gekrönten Sieg im blutigen Gewande.

Die Zeit ist hin, da unter stolzer Lust, Mit Lorbeern, wie ihr Held, bekränzet Und oft an seiner Brust Die Muse Necktar trank, durch die er ewig glänzet:

Wie Phosphor glänzt, der um den Morgenthau Aus Thetis Armen sich entziehet, Und ans gestirnte Blau Mit heitrem Lächeln tritt, und vom Olympe siehet.

Ein Sternenheer, das letzte Chor der Nacht, Traurt um ihn her in mattem Lichte: Die muntre Welt erwacht, Und Schlaf und Schatten fliehn vor seinem Angesichte.

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