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1720–1796

An Chloen.

Johann Peter Uz

Weis Chloe mein geheim Verlangen? Verrieth mein Auge mich vielleicht, Das nach den Rosen ihrer Wangen Durch manchen Umweg lüstern schleicht?

Jhr Blick begegnet meinem Blicke: Jhr Auge sieht mich schalkhaft an, Oft nur im Flug und schnell zurücke; Doch daß ich es bemerken kann.

Oft blitzen, von Gefahr begleitet, Die blauen Augen frey auf mich, Aus welchen Amor mich bestreitet, Der stets aus ihnen siegreich wich.

Ich kann die Grazien darinnen Ein schmeichelnd Lächeln bilden sehn: Das überraschet meine Sinnen; Wie kann das Herz ihm widerstehn?

Kein Schnee gleicht ihres Armes Weisse, Der vor dem Fenster in der Luft, Mit einem ungewohnten Fleisse, So sinnreich meiner Sehnsucht ruft!

Nun schaut sie rückwärts, doch gestrecket, Bis sich die volle Brust empört, Und halb entwischt, und, unverdecket, Auch eines Cato Runzeln stört.

Ich aber steh und strampf und glühe, Flieg in Gedancken hin zu ihr, Und sehe, mit verlohrner Mühe, Mich unstät, aber immer hier:

Weil, bis mich Glück und Freundschaft retten, Die oft ein langer Schlaf befällt; Mich hier mit diamantnen Ketten Das Schicksal angefesselt hält.

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