Lieder sind wir, unser Vater Schickt uns in die offne Welt, Auf dem kritischen Theater Hat er uns zur Schau gestellt.
Nennt es denn kein frech Erkühnen, Leiht uns ein geneigtes Ohr, Wenn wir gern vor euch Versammelten Ein empfehlend Vorwort stammelten!
Sprach doch auf den griech’schen Bühnen Einst sogar der Frösche Chor. Anfangs sind wir fast zu kläglich, Strömen endlos Thränen aus,
Leben dünkt uns zu alltäglich, Sterben muß uns Mann und Maus. Doch man will von Jugend sagen, Die von Leben überschwillt;
Auch die Rebe weint, die blühende, Draus der Wein, der purpurglühende, In des reifen Herbstes Tagen, Kraft und Freude gebend, quillt.
Und, bei Seite mit dem Prahlen! Andre stehn genug zur Schau, Denen heisse Mittagsstralen Abgeleckt den Wehmuthsthau.
Wie bei alten Ritterfesten Mit dem Tode zog Hanswurst, Also folgen scherzhaft spitzige Und, will’s Gott! erträglich witzige.
Aechtes Leid spaßt oft zum besten, Kennt nicht eiteln Thränendurst. Lieder sind wir nur, Romanzen, Alles nur von leichtem Schlag,
Wie man’s singen oder tanzen, Pfeifen oder klimpern mag. Doch vielleicht wer stillem Deuten Nachzugehen sich bemüht,
Ahnt in einzelen Gestaltungen Größeren Gedichts Entfaltungen Und als Einheit im Zerstreuten Unsres Dichters ganz Gemüth.
Bleibt euch dennoch Manches kleinlich, Nehmt’s für Zeichen jener Zeit, Die so drückend und so peinlich Alles Leben eingeschneit!
Fehlt das äußre freie Wesen, Leicht erkrankt auch das Gedicht; Aber nun die hingemoderte Freiheit Deutschlands frisch aufloderte,
Wird zugleich das Lied genesen, Kräftig steigen an das Licht. Seyen denn auch wir Verkünder Einer jüngern Brüderschaar,
Deren Bau und Wuchs gesünder, Höher sey, als unsrer war! Dies ist, was wir nicht geloben, Nein! vom Himmel nur erflehn.
Und ihr selbst ja seyd Vernünftige, Die im Jetzt erschaun das Künftige, Die an junger Saat erproben, Wie die Frucht einst wird bestehn.
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