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1787–1862

Unstern .

Ludwig Uhland

Unstern, diesem guten Jungen, Hat es seltsam sich geschickt, Manches wär’ ihm fast gelungen, Manches wär’ ihm schier geglückt.

Alle Glückesstern’ im Bunde Hätten weihend ihm gelacht, Wenn die Mutter eine Stunde Früher ihn zur Welt gebracht.

Waffenruhm und Heldenehre Hätten zeitig ihm geblüht, War doch in dem ganzen Heere Keiner so von Muth erglüht:

Nur als schon in wilden Wogen Seine Schaar zum Sturme drang, Kam ein Bote hergeflogen, Der die Friedensfahne schwang.

Nah ist Unsterns Hochzeitfeier, Hold und sittig glüht die Braut; Sieh! da kömmt ein reichrer Freier, Der die Eltern baß erbaut.

Dennoch hätte die Geraubte Ihn als Wittwe noch beglückt, Wäre nicht der Todtgeglaubte Plötzlich wieder angerückt.

Reich wär’ Unstern noch geworden Mit dem Gut der neuen Welt, Hätte nicht ein Sturm aus Norden Noch im Port das Schiff zerschellt.

Glücklich war er selbst entschwommen, Einer Planke hatt’ er’s Dank, Hatte schon den Strand erklommen, Glitt zurück noch und versank.

In den Himmel, sonder Zweifel, Würd’ er gleich gekommen seyn, Liefe nicht ein dummer Teufel Just ihm in den Weg hinein.

Teufel meint, es sey die Seele, Die er eben holen soll, Packt den Unstern an der Kehle, Rennt mit ihm davon wie toll.

Da erscheint ein lichter Engel Rettend aus dem Nebelduft, Donnert flugs den schwarzen Bengel In die tiefste Höllenkluft,

Schwebt der goldnen Himmelsferne Mit dem armen Unstern zu, Ueber gut’ und böse Sterne Führt er den zur ew’gen Ruh.

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