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1787–1862

Jungfrau Sieglinde .

Ludwig Uhland

Das war Jungfrau Sieglinde, Die wollte früh aufstehn, Mit ihrem Hofgesinde Zum Frauenmünster gehn.

Sie ging in Gold und Seide, Mit Blumen und Geschmeide, Das ward zu großem Leide. Es stehn drei Lindenbäume

Wohl vor der Kirchenpfort’; Da saß der edle Heime, Der sprach viel leise Wort’: „was Gold, was Edelsteine!

Hätt’ ich der Blumen eine Aus deinem Kranz, du Feine!“ So sprach der Jüngling leise, Da trieb der Wind sein Spiel,

Daß aus der Blumen Kreise Die schönste Rose fiel. Herr Heime thät sich bücken, Die Rose wegzupflücken,

Damit wollt’ er sich schmücken. Da war ein alter Ritter In Siegelindens Chor, Dem war es leid und bitter,

Gar zornig trat er vor: „muß ich dich Hofzucht lehren? Darfst du vom Kranz der Ehren Ein Läublein nur begehren?“

O weh dem Garten immer, Der solche Rosen bracht’! O Heil den Linden nimmer, Wo solcher Streit erwacht!

Wie klangen da die Degen, Bis unter wilden Schlägen Der Jüngling todt erlegen! Sieglinde beugt’ sich nieder

Und nahm die Ros’ empor, Steckt’ in den Kranz sie wieder, Und ging zur Kirche vor. Sie ging in Gold und Seide,

Mit Blumen und Geschmeide, Wer thät ihr was zu Leide? Vor Sankt Mariens Bilde Nahm sie herab die Kron’:

„nimm du sie, Reine, Milde! Kein Blümlein kam davon. Der Welt will ich entsagen, Den heil’gen Schleier tragen

Und um die Todten klagen.“

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