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1787–1862

Die zwo Jungfraun .

Ludwig Uhland

Zwo Jungfraun sah ich auf dem Hügel droben, Gleich lieblich von Gesicht, von zartem Baue; Sie blickten in die abendlichen Gaue, Sie saßen traut und schwesterlich verwoben.

Die Eine hielt den rechten Arm erhoben, Hindeutend auf Gebirg und Strom und Aue; Die Andre hielt, damit sie besser schaue, Die linke Hand der Sonne vorgeschoben.

Kein Wunder, daß Verlangen mich bestrickte Und daß in mir der süße Wunsch erglühte: O säß’ ich doch an Einer Platz von Beiden! Doch wie ich länger nach den Trauten blickte,

Gedacht’ ich im besänftigten Gemüthe: Nein! wahrlich, Sünde wär’ es, sie zu scheiden!

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