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1787–1862

Die Lieder der Vorzeit .

Ludwig Uhland

Als Knabe stieg ich in die Hallen Verlaßner Burgen oft hinan; Durch alte Städte thät ich wallen, Und sah die hohen Münster an.

Da war es, daß mit stillem Mahnen Der Geist der Vorwelt bei mir stand, Da ließ er frühe schon mich ahnen, Was später ich in Büchern fand:

Daß Jungfraun dort von ew’gem Preise, Die heil’gen Lieder, einst gewohnt, Und in der Edelfrauen Kreise Bei’m Feste des Gesangs gethront.

Da kam der Krieger wild Geschlechte Und warf den Brand in’s frohe Haus. Die Schwestern flohn im Graun der Nächte Nach allen Seiten zagend aus.

Wie manche schmachtet, hart gefangen, In eines Kerkers dunklem Grund! Zu keinem milden Ohr gelangen Die Kläng’ aus ihrem zarten Mund.

Ach! Jene, die auf öden Wegen Umhergeirret, krank und müd, Sie ist dem schweren Gram erlegen, Und sang noch einmal, eh sie schied.

In eines armen Mädchens Kammer Ist einer Andern Aufenthalt, Sie mischt sich in der Freundin Jammer, Wann still der Mond am Himmel wallt.

Auch manche wagt der Märterinnen Sich in des Marktes frech Gewühl, Sie will der Menschen Herz gewinnen Und singet sanft zum Saitenspiel.

Getrost! schon sinken eure Bande Und Boten ziehn nach Ost und West, In eine Stadt am Neckarstrande Zu laden euch zum neuen Fest.

Ihr Heitern, kommt zu Tanzes Feier, Laßt wehn das rosige Gewand! Ihr Ernsten, wallt im Nonnenschleier, Die weisse Lilie in der Hand!

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