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1824

Der Mohn

Ludwig Uhland

Wie dort, gewiegt von Westen, Des Mohnes Blüte glänzt! Die Blume, die am besten Des Traumgotts Schläfe kränzt;

Bald purpurhell, als spiele Der Abendröte Schein, Bald weiß und bleich, als fiele Des Mondes Schimmer ein.

Zur Warnung hört ich sagen, Daß, der im Mohne schlief, Hinunter ward getragen In Träume, schwer und tief;

Dem Wachen selbst geblieben Sei irren Wahnes Spur, Die Nahen und die Lieben Halt' er für Schemen nur.

In meiner Tage Morgen, Da lag auch ich einmal, Von Blumen ganz verborgen, In einem schönen Tal.

Sie dufteten so milde! Da ward, ich fühlt es kaum, Das Leben mir zum Bilde, Das Wirkliche zum Traum.

Seitdem ist mir beständig, Als w'r es so nur recht, Mein Bild der Welt lebendig, Mein Traum nur wahr und echt;

Die Schatten, die ich sehe, Sie sind wie Sterne klar. O Mohn der Dichtung! wehe Ums Haupt mir immerdar!

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Der Mohn · Ludwig Uhland · Poetry Cove