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1787–1862

Der Kranz .

Ludwig Uhland

Es pflückte Blümlein manigfalt Ein Mägdlein auf der lichten Au; Da kam wohl aus dem grünen Wald Eine wunderschöne Frau.

Sie trat zum Mägdlein freundlich hin, Sie schlang ein Kränzlein ihm in’s Haar: „noch blüht es nicht, doch wird es blühn; O trag’ es immerdar!“

Und als das Mägdlein größer ward, Und sich erging im Mondenglanz, Und Thränen weinte, süß und zart: Da knospete der Kranz.

Und als ihr holder Bräutigam Sie innig in die Arme schloß: Da wanden Blümlein wonnesam Sich aus den Knospen los.

Sie wiegte bald ein süßes Kind Auf ihrem Schooße mütterlich: Da zeigten an dem Laubgewind Viel goldne Früchte sich.

Und als ihr Lieb gesunken war Ach! in des Grabes Nacht und Staub: Da weht’ um ihr zerstreutes Haar Ein herbstlich falbes Laub.

Bald lag auch sie erbleichet da, Doch trug sie ihren werthen Kranz: Da war’s ein Wunder, denn man sah So Frucht als Blüthenglanz.

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